Hau, Johannes. Landschaftsmaler. Geb. 30. März 1771 in Flensburg; gest. 22. Juli 1838 in Reval, Vater des [Vorigen], kam in jugendlichen Jahren nach Reval und erwarb sich hier in kurzer Zeit einen Ruf als geschickter Landschafter. 1828 gab er mit [Karl v. Kügelgen] eine Sammlung Revaler Ansichten heraus unter dem Titel: „Collection de XII vues gravées à l’aquatinta“. Dieselbe Sammlung erschien später in Lithographien von [Th. Gelhaar] im Verlage von G. Eggers in Reval. — Eine Ansicht des Brandes der Olaikirche, 1820 (Zeichn.) befand sich im Bes. des Admirals von Proffen. — Eine Ansicht von Reval (Gouache), 1901 im Rigaer Kunsthandel.
Revaler wöchentl. Nachrichten 1823 S. 905 und 939. — G. v. Hansen, Die Kirchen und ehem. Klöster Revals III. Aufl. S. 51. — W. Neumann, Maler und Bildhauer des 19. Jahrh. S. 76 u. 99.
Hau, Woldemar. Porträtmaler. Geb. 4. Februar 1816 in Reval als Sohn des [Vorigen] und Stiefbruder von [Eduard H.]; gest. 11. März 1895 in Petersburg. Er erhielt seine Vorbildung durch den Maler [Karl Ferd. v. Kügelgen] und lenkte durch ein tüchtig gemaltes Porträt des Revaler Militärgouverneurs, Admirals Grafen Ferd. v. Lütke (1832) die Aufmerksamkeit der Gräfin Baranoff, einer Hofdame, auf sich, die ihn dem Prof. [Alex. Sauerweid] empfahl. Durch Sauerweids Vermittlung wurde er Schüler der Akad., absolvierte sie und begab sich 1838 nach Deutschland und Italien. 1840 nach Petersburg zurückgekehrt, wurde er zum Hofmaler ernannt und 1849 für ein Porträt der Grossfürstin Maria Nikolajewna, Herzogin von Leuchtenberg, von der Akad. zum Akademiker befördert. Die Mitglieder der Kaiserlichen Familie von Nikolaus I. bis auf Alexander III. hat er wiederholt gemalt. Zu seinen bedeutendsten Arbeiten gehört die aus ca. 200 Miniaturporträts bestehende Sammlung von Bildnissen der Veteranen des Ismailowschen Garde-Reg. und der Leibgarde zu Pferde für den Kaiser Nikolaus I., zu dessen 50jährigem Jubiläum als Chef dieser Regimenter. 1838 malte er die Miniaturporträts des Herzogs Wilhelm v. Nassau und dessen Gemahlin. Sein Bild, den Kaiser Nikolaus I. auf dem Sterbebette darstellend, wurde von Feldt lith. 1870 musste er seine Tätigkeit wegen geschwächter Sehkraft einstellen. Sein Werk wird über 1000 Nummern geschätzt. Die literär. Ges. in Reval besitzt von ihm das Porträt des Dr. Ferd. Wiedemann, Gründers der Gesellsch., das Gymnasium das Porträt des Direktors L. Gahlnbäck.
W. Neumann, Baltische Maler und Bildhauer S. 99–100.
Hauswald, Karl Friedrich. Lithograph. Gründete um 1829 eine lithogr. Anstalt in einem Hause der Kaufstrasse in Riga, dessen äussere Ansicht mit einer Empfehlung der Anstalt von ihm lithographiert wurde. 1835 wurde er „Gouvernements-Lithograph“ und 1838 suchte er bei der Akad. der Künste in Petersburg auf Grund vorgelegter Arbeiten um die Erteilung eines akademischen Grades nach, doch wurde sein Gesuch 4. 1. 1839 abgelehnt. Er erblindete in den letzten Jahren seines Lebens. Von ihm: die Ansichten des ehemals Loss’schen Hauses in der Kaufstrasse, um 1830. — Sechs Ansichten von Riga; lith. nach [G. C. Scharlow], 1830 in einem Heft erschienen. — Porträt des Rigaschen Bürgermeisters J. J. Rolssen; lith. nach [D. Jantzen], 1833. — Malerische Ansichten aus Riga und Umgebung. 12 Blatt in 2 Heften qu. fol., lith. nach [D. Jantzen], 1835. — Zwei Ansichten von Riga mit der Dünabrücke. — Altar der Petrikirche. — Grundriss und Fassade des Gouvernements-Gymnasiums. Lith. — Porträt Luthers, ganze Figur. Lith. — Der „Wasserkarl“; lith. nach [O. Berthing], 1835. — Ansicht von Pleskodahl; lith. nach einer Zeichnung v. C. S. (C. v. Sengbusch). — Ansicht des Kurhauses in Kemmern bei Riga, als Umschlag zu der Broschüre: Kurze Darstellung des Badeorts Kemmern in Livland, 1838. Lith. Unterschr.: Bad Kemmer (sic). — Ansicht von Dorpat nach einem Aquatinta von [C. Senff], 1806. — Steinzeichnung nach einem Entwurf von Thorwaldsen zu einem Erinnerungsdenkmal der Verbindung der Ostseeprovinzen mit Russland seit 1710. Abgedruckt im Inland 1836.
Rigasche Stadtbl. 1830 S. 371; 1833 S. 318; 1835 S. 366 und 404; 1837 S. 244; 1840 S. 310. — Inland 1836 S. 57 ff.
Hay, Johann Eduard. Porträtmaler. Geb. 1815 in Riga; gest. 1841 in Genua. Er war von seinem Vater zum Kaufmannsstande bestimmt, durfte aber schliesslich seinem Wunsche, die Künstlerlaufbahn zu beschreiten, folgen. Seine Vorbildung erhielt er von dem Maler [L. Bülow], ging dann nach Düsseldorf, wo er Schüler von Prof. A. Schroeter wurde und nach dreieinhalbjährigem Aufenthalt nach Italien, wo er in Genua der Schwindsucht erlag. Das städt. Museum besitzt von ihm das Porträt seines ersten Lehrers.
Hefftler, Karl Eduard. Landschaftsmaler. Geb. 26. April 1853 in Reval, trat 1876 in die Petersburger Kunstakad. zum Studium der Architektur und absolvierte sie 1880 mit dem Range eines freien Künstlers. Sein Talent für malerische Darstellung von Architekturen wurde Veranlassung, dass er sich der Malerei zuwandte und speziell der Aquarellmalerei, die er in Deutschland, Oesterreich, Frankreich und Italien studierte. Er lebt in Petersburg, wo er, bis eintretende Kränklichkeit ihn am Schaffen zu hindern begann, zu den vorzüglichsten Aquarellisten gehörte.
W. Neumann, Baltische Maler und Bildhauer des 19. Jahrh. S. 164–166.
Heintz, Tobias. Kunsttischler. Geb. um 1590, befand sich 1617 als „Hoftischler“ in herzogl. kurländischen Diensten. Von ihm ein reich ausgestattetes mit vier biblischen Szenen und seinem Porträt in Intarsia geschmücktes Betpult, das er 1617 für die Trinitatiskirche schuf, jetzt im Mus. zu Mitau. Vermutlich sind von ihm auch die Brüstungen der östlichen Emporen in dieser Kirche, inschriftlich von 1616.