Reindel, Anton. Zeichner und Miniaturmaler, kam 1783 nach Riga als Zeichenlehrer. Er hatte seine Ausbildung in Dresden empfangen und namentlich viel nach italienischen Meistern kopiert. Eine Landschaft mit antiken Ruinen am Wasser befindet sich im ersten Sammelbande des Joh. Jak. Voss im städt. Mus. zu Riga; das Porträt eines jungen Mannes in Pelzmütze und Pelzmantel, leichtgetönte Bleistiftskizze auf blauem Papier dat. 1785 im 2. Bande derselben Sammlung.

G. Merkel, Darstellungen und Charakteristiken aus meinem Leben S. 94.

Reissner, Martin Andreas. Landschaftsmaler. Geb. 1798; gest. 1862 in Dorpat. Ueber seinen Studiengang hat sich nichts ermitteln lassen. Er liess sich 1819 in Riga nieder und unternahm von hier grössere Reisen, die ihn in die Schweiz, nach Italien und nach Amerika führten. Aus Amerika kehrte er 1861 nach Riga zurück. Im Besitz des Rigaer Kunstvereins befindet sich eine Ansicht des Niagarafalles. Er lieferte auch Entwürfe zu Theaterdekorationen.

Rigasche Stadtbl. 1819 S. 68; 1826 S. 119; 1843 S. 284.

Reiter, Andreas. Maler und „Conterfaier“ in Libau im letzten Viertel des 17. Jahrh. Er wird 1680 als Lehrer des Malers [Matthias Peterson] (s. d.) genannt.

Reutern, Gerhard Wilhelm v. Maler u. Radierer. Geb. 6. Juli 1794 auf dem Gute Rösthof bei Walk; gest. 22. März 1865 in Frankfurt a. M., hatte nach Absolvierung der Petrischule in Petersburg die Universität Dorpat bezogen und widmete sich unter [C. A. Senff] dem Kunststudium. 1811 trat er als Junker in das Alexandrische Husarenregiment, in dem sein älterer Bruder Christoph als Eskadronschef diente. Im Herbst 1812 wurde er als Kornet in das Leib-Garde-Husarenregiment versetzt und nahm, zum Leutnant avanciert, an den Schlachten bei Dresden, Kulm und Leipzig teil. Durch einen Schuss in die Schulter verlor er am 16. Oktober 1813 bei Leipzig den rechten Arm. Nach seiner Wiederherstellung wurde er Adjutant des Generals Barclay de Tolly und nahm an den Feldzügen von 1815 und an der Einnahme von Paris teil. 1819 erhielt er den erbetenen Abschied als Garde-Rittmeister. Um seine angegriffene Gesundheit wieder herzustellen, zugleich auch, um seine mit der linken Hand unternommenen Kunststudien wieder aufzunehmen, begab er sich nach Deutschland. In Weimar erneuerte er die Bekanntschaft Goethes, der in seinen mit der linken Hand ausgeführten Zeichnungen und Aquarellen sein bedeutendes Talent erkannte und ihm riet sich ganz der Malerei zu widmen. Nach einer Erholungsreise durch die Schweiz und Italien begann er sich ernstlich mit dem Kunststudium zu beschäftigen. In Bern genoss er zunächst den Unterricht des Malers G. Lory, später, nach einer zweiten Reise nach Italien, in Cassel den Unterricht des Landschaftsmalers Ludw. Grimm und des Prof. Rhoden. Nach einem vorübergehenden Aufenthalte in Wetzlar und Giessen, zog er 1835, bewogen durch den Bildhauer Eduard v. d. Launitz nach Düsseldorf, um sich unter der Leitung Schadows weiter auszubilden. 1837 wurde er auf Empfehlung des Dichters W. Joukoffsky, seines späteren Schwiegersohnes, zum Maler der Kaiserlichen Familie ernannt. 1844 siedelte er nach Frankfurt a. M. über und schuf hier die bedeutendsten seiner Arbeiten. Er hat eine grosse Anzahl Porträts in Aquarell ausgeführt, darunter das Goethes, des Dichters W. Joukoffsky u. des Malers G. Lory, wozu dieser selbst die Landschaft malte. Von seinen Oelgemälden heben wir hervor: Mädchen mit Schmuckkästchen. — Der indolente Page, 1836. (Im Bes. des Grossfürsten Michael Nikolajewitsch). — Ein Greis, der einer jungen Bäuerin mit einem Kind auf dem Arme, aus der Bibel vorliest, 1839. (Bes. Grossfürst Sergei Alexandrowitsch). — Der heil. Georg. (Marmorpalais). — Junge Bäuerin mit schlafendem Kind. (Winterpalais. Lithogr. v. Schertle). — Das Opfer Abrahams. (Museum Alexanders III. in Petersburg). — Studienkopf zum Abraham (in der Gal. des Schlosses Koltzen). — Die Strumpfwirkerin, 1853. (In der Kaiserl. Farm in Alexandria). — Garten im Berner Oberlande, 1857. (Kaiserl. Farm in Alexandria). — Die heil. Familie, 1858. (Daselbst).

Er radierte: Ansicht von Cassel. Bez. G. v. R. Erster Versuch. Cassel 28. März 1827. — Studie mit dem schlafenden Hund. (19. Mai ?). — Studie mit dem Jäger. (7. XII. 1828). — Tyroler Sennerbub. (20. XI. 1828). — Die beiden Eichen. (1828). Kirchenruine in Bacharach a. Rh. (28. XI. 1828). — Kopf eines Kalbes. (1828). — Kopf einer Ziege und eines Schafs. (1828). — Zwei Ziegen. (1828). — Zwei Füchse und ein Hase. (Das schönste Blatt des Meisters, 1828). — Geschossener Rehbock. (1828). — Ziegenböcklein. — Eichenbusch. 1829.

Nach ihm lithographiert von Georg Koch in Cassel: An der Schwalm. Bilder aus dem hessischen Volksleben. Heft 1 mit 5 Blatt. 1855. — Heft 2 mit 4 Blatt. 1855. — Heft 3 mit 4 Blatt. 1859.

A. Andresen, Maler-Radierer d. 19. Jahrh. 1869. III. S. 222–227.