Revalsche wöchentl. Nachrichten 1825 S. 686 und 755.

Schlichting, Ernst Hermann. Porträt- und Genremaler. Geb. 5. Mai 1812 in Reval; gest. 8. Mai 1890 in Dresden, erhielt den ersten Kunstunterricht von dem Kupferstecher [K. A. Senff] in Dorpat, besuchte dann die Petersburger Akad. und begab sich von hier zu weiterer Ausbildung nach Dresden. 1839 kehrte er aus dem Auslande zurück, liess sich zunächst in Dorpat nieder, zog dann nach Riga und wählte gegen Ende der vierziger Jahre Reval zum Wohnsitz, wo er seit Oktober 1850 das Amt eines Zeichenlehrers an der Ritter- und Domschule versah. 1845 war er für sein Bild „der Leiermann“ zum freien Künstler der Petersburger Akad. ernannt worden. — Auch seine Schwester Wilhelmine S., † 1888 in Dresden, war Malerin. Von seinen Arbeiten nennen wir: Der Geburtstagtisch, 1841 (städt. Mus. Riga). — Portr. des Komikers Roderich Lehmann (1837–41 am Rigaschen Theater) in zwölf seiner Hauptrollen als Einfassung, 1841, lith. v. [F. Deutsch], fol. — 14 Portrs. der bedeutendsten damaligen Rigaschen Schauspieler auf einem Blatt, Aquar. 1843, lith. von Hanfstängl in Dresden. — Portr. des Oberpastors zu St. Jakob in Riga C. L. Grave; nach dem Tode aufgenommen, lith. v. [F. Schlater]. — Portr. des Rigaschen wortführenden Bürgermeisters Joh. Joach. Rolssen, lith. v. [F. Schlater]. — Portr. des Ratsherrn Aug. Heinr. Hollander, 1841 (Bes. Oberlehrer Staatsrat B. Hollander, Riga). — Panorama von Reval, von Katharinental aus aufgenommen 1850. Lith. schwarz und farbig. Verlag von J. F. Kopp. — Ansicht der feindlichen Flotte auf der Revaler Reede mit mehreren Porträts im Vordergrunde, 1854. lith. — Die ehemalige Süsternpforte in Reval (Prov. Mus. in Reval). — Die Auswanderer, Skizze (Stadt, Mus. Riga). — Trachten der Schweden an der Küste Estlands und auf der Insel Runö. Farbendr. v. Winckelmann und Sohn, Berlin, zu dem Werke „Eibefolke“ von C. Russwurm, Leipzig 1854.

Inland 1841 S. 417 und 844; 1843 S. 401; 1850 S. 715; 1853 S. 32; 1854 S. 815; 1855 S. 241; 1857 S. 315. — Rigasche Stadtbl. 1859 S. 159. — Rigasche Ztg. 1868 Nº 9. — Revalsche wöchentliche Nachrichten 1850 Nº 31. — Album der estländ. Ritter- und Domschule 1859. — Beiträge zur Gesch. der estländ. Ritter- und Domschule 1869. — W. Neumann, Balt. Maler und Bildhauer des 19. Jahrh. S. 63–85.

Schlippenbach, Paul Freiherr v. Geb. 20. April 1869 in Olai bei Mitau, wurde in Deutschland erzogen und studierte Jurisprudenz, ging aber, obgleich er bereits das Staatsexamen abgelegt und den Grad eines Dr. jur. erlangt hatte, 1895 zum Studium der Malerei über. Er wurde Schüler des Jean Paul Laurens (acad. Julien) in Paris, arbeitete dann unter Whistler und lebt jetzt in Dresden, wo er zu den Mitgliedern der Kunstgenossenschaft gehört.

Schmaeling, Reinhold. Architekt, geb. 1. November 1840 in Riga, besuchte das Petersburger technologische Institut, um sich zum Maschineningenieur auszubilden, trat aber später auf Anraten des Tiermalers [Alex. Schwabe] in die Petersburger Kunstakad. zum Studium der Architektur, die er 1868 mit der grossen goldenen Medaille ausgezeichnet verliess, womit zugleich ein vierjähriges Reisestipendium verbunden war. Er besuchte zunächst Deutschland, dann auf zwei Jahre Italien und wurde nach seiner Rückkehr zum Akademiker befördert. Anfangs im Departement der Apanagen angestellt, widmete er sich von 1877 ab der Privatpraxis und folgte 1879 dem Ruf zur Uebernahme des Amts eines Stadtarchitekten in seiner Vaterstadt, wo er eine umfangreiche Bautätigkeit entfaltete. Zu seinen Hauptwerken gehören: eine Anzahl grösserer Schulhausbauten, das Haus der russischen Gesellschaft „Ulei“, das Polizeiverwaltungsgebäude, die vier Feuerwehrdepôts, das Haus der Kommerzbank, das Armitsteadsche Kinderhospital, die städtische Schlachthausanlage, die Erweiterungsbauten des Stadtkrankenhauses, mehrere Wohngebäude u. a.

Auch sein Sohn Alexander Sch., geb. 22. Juni 1877, hat die Kunstakad. in Petersburg absolviert und sich in Riga als Architekt niedergelassen. Von ihm mehrere Wohngebäude.

Schöne, Johann Benjamin. Maler. Geb. 1771; gest. 15. Januar 1813 in Mitau, wird 1805 als „Kunstmahler“ aufgeführt.

Mitausche Ztg. 1805 Nº 22 (Jul. Döring).

Schorer, Leonhard. Porträtmaler. Geb. 1715 in Königsberg i. Pr., begraben 20. April 1777 in Mitau, war bereits um 1734 in seiner Vaterstadt als Porträtmaler tätig und kam 1748 nach Kurland, wo er namentlich am herzoglichen Hofe tätig war. Von ihm: Das Portr. des kurl. Staatsrats Th. Ludwig Lau. Bez. pinx. Regimonti 1734. Gestoch. v. C. Fritzsch (Hofgraveur des Herzogs v. Schleswig-Holstein), Hamburg 1735. — Portr. des kurl. Geh. Tribunalrats Christ. Georg v. Ziegenhorn, gem. 1775 (Bes. Mus. Mitau). — Portr. des Herzogs Karl von Kurland, gem. um 1759 (Bes. Mus. Mitau). — Portr. des kurl. Superintendenten Christ. Huhn, gem. 1765. Gest. von J. W. Schleuen in Berlin. — Portr. des herzogl kurl. Mundschenken Joh. David Brederlo, 1765 (Bes. Gal. Brederlo, Riga). — Portr. des Herzogs Ernst Joh. v. Kurland, gem. 1767 (Bes. Buchdruckereibesitzer Steffenhagen, Mitau). — Portr. des Rentmeisters Voigt, gem. 1777 (Mus. Mitau). — Portr. des kurl. Generalsuperintendenten Joachim Baumann und dessen Gemahlin Charlotte, geb. Stavenhagen (Bes. Ältester gr. Gilde W. Kerkovius, Riga). — Portr. des kurländischen Landhofmeisters Heinr. Christ. v. Offenberg, 1696–1781 (Bes. Mus. zu Mitau). — Portr. des Hauptmanns zu Kandau Eberhard Christoph Phil. v. Hahn, 1765 gem. (Bes. v. Hahn).