Die Musik war so schön, daß sie einen zweiten und dritten Tanz tanzte, und das schlafende Kind vergaß, bis die Musikanten fortgingen. Dann sagte sie:
»Ach, das liebe, schlafende Kind habe ich vergessen. Ich muß schnell in das Kinderzimmer gehen. Vielleicht ist es schon aufgewacht, vielleicht weint es bitterlich, es ist ja allein!«
Margarethe sprang die Treppen hinauf. Alles war still. Sie trat leise in das Kinderzimmer, aber da blieb sie erstaunt still stehen.
Alles lag auf dem Boden! Eine zweite Thür, die zu einer anderen Treppe führte, war weit offen, und die Wiege war leer!
Margarethe dachte zuerst: »Das Kind ist aus der Wiege gefallen!« Sie suchte es, aber da sie es nicht finden konnte, schrie sie laut vor Angst.
Die Diener kamen alle, suchten alle, aber sie konnten weder das Kind finden, noch das Bild der schönen Gräfin, das auf dem Tische gelegen.
»Ach,« sagte Margarethe laut weinend. »Das Kind ist fort! Ach, warum habe ich es allein gelassen? Warum bin ich in den Hof gegangen?«
Die anderen Diener sprachen alle zusammen und sagten: »Das Kind wurde gestohlen! Die Musikanten waren Räuber! Sie haben Tanzmusik gespielt, und als sie sahen, daß wir alle im Hofe waren, ist einer von ihnen in das Kinderzimmer gekommen, hat das schlafende Kind aus der Wiege genommen, und ist durch die andere Thür und die kleine Treppe in den Wald entkommen!«
Da sie alle in dem Schlafzimmer waren, hörten sie nicht daß ein Wagen schnell heranfuhr. Es war der Wagen der schönen Gräfin. Ihr Mann war nicht tot, nein, er war genesen, und da er in einigen Tagen wieder fechten konnte, hatte er seine Frau nach Hause geschickt, so daß das liebe Kind nicht länger allein mit den Dienern bliebe.
Die Gräfin war sehr erstaunt, niemand in dem Hofe zu finden, aber sie sprang schnell die Treppen hinauf, um das liebe Kind zu küssen, und trat schnell in das Kinderzimmer.