Da sah sie die traurigen Diener, das weinende Kindermädchen und die leere Wiege! Sie wurde totenblaß und rief ängstlich:

»Ach, was ist geschehen? Was ist geschehen? Wo ist mein Kind? Sprechen Sie doch, wo ist das liebe Kind?«

Die Diener konnten zuerst kein Wort sprechen, aber endlich erfuhr die arme Mutter alles.

»Ja, ja, das Kind ist gestohlen worden,« sagte sie. »Die Musikanten sind Kinderräuber. Nehmen Sie Pferde, reiten Sie schnell in den Wald und suchen Sie mein Kind überall. Sie werden es sicher noch finden. Die Leute, die es gestohlen haben, sind arm, sie haben keine Pferde, sie können noch nicht weit von hier sein. Gehen Sie, gehen Sie schnell!«

Die Diener liefen und ritten alle in den Wald. Sie suchten überall, aber sie konnten weder Kind noch Musikanten finden.

Das Kindermädchen und die Gräfin suchten auch, aber sie konnten weder Kind noch Musikanten finden.

Dann weinte die arme Gräfin bitterlich und war sehr traurig. Tag und Nacht dachte sie an das liebe Kind, und oft sagte sie:

»Die Leute haben das Kind sicher gestohlen, um viel Geld zu haben. Warum kommen sie nicht? Ich würde alles hingeben, um das liebe Kind wieder hier, in meinen Armen, zu halten. Ach! wenn mein lieber Mann nur hier wäre! Aber, ich kann ihm nicht sagen, daß unser Sohn gestohlen ist. Er ist verwundet, und sobald er hergestellt ist, muß er für den König und das Vaterland streiten. Ja, ich muß warten, bis der Krieg zu Ende ist, oder bis die Räuber mein Kind zurückbringen!«

Als das Kindermädchen ihre arme Herrin so bitterlich weinen sah, wurde sie immer unglücklicher, und endlich sagte sie zu sich selbst:

»Hier kann ich nicht länger bleiben. Ich kann das Weinen der armen Gräfin nicht sehen. Ich habe das Kind allein gelassen. Das war nicht recht. Ich bin bestraft, ja, ich bin bestraft! Ich kann nie wieder glücklich sein, bis das Kind seiner Mutter zurückgegeben ist. Aber ich kann nicht hier im Schlosse bleiben und meine Herrin trauern sehen, ich muß fort.«