Das arme Kindermädchen ging fort, um ihr Brot weit von dem Schlosse Eichenfels zu verdienen.

2. Die Grube.

Der arme kleine Heinrich weinte auch, denn eine böse alte Frau war leise in sein Zimmer gekommen, als die Diener im Schloßhofe lustig tanzten. Die Frau hatte das schlafende Kind auf den Arm genommen, und hatte auch viele schöne Dinge genommen. Auf dem Tische lag ein kleines Bild der Gräfin, das mit Perlen und Diamanten besetzt war. Das hatte die böse Frau schnell genommen. Dann war sie leise, leise die Treppen hinunter gegangen. Durch eine kleine Thür in der Schloßmauer war sie ungesehen in den Wald gekommen, und war schnell, sehr schnell, den Berg hinaufgegangen.

Die Räuber hatten eine alte Grube in dem Berge gefunden, und da wohnten sie. Sie blieben in der Grube während des Tages und kamen nur Nachts heraus, um zu stehlen.

Die alte Frau kam bald an einen Platz, wo die Gebüsche sehr dicht waren. Sie kroch durch die Gebüsche und kam endlich zu einer kleinen Thür. Sie öffnete die Thür mit einem Schlüssel und ging in den Berg hinein. Dann machte sie die Thür wieder fest zu und zündete eine kleine Lampe an. Jetzt konnte man sehen, daß sie in einem Gange stand.

Der Gang war finster, und die kleine Lampe gab nicht sehr viel Licht. Die Frau ging mit der Lampe den Gang entlang und endlich kam sie an einen Platz, wo viele Gänge zusammenkamen. Da war ein weiter Raum. Hier waren viele, viele Dinge, Beute, welche die Räuber gestohlen hatten.

Das Kind wachte endlich auf und weinte laut. Die böse Frau gab ihm ein wenig Milch, und dann ließ sie es weinen, so viel es wollte.

Der arme kleine Heinrich, der immer in einem schönen hellen Zimmer gewesen, und immer freundliche Leute gesehen, konnte natürlich nicht verstehen, warum alles so finster war, und warum man seines Weinens nicht achtete.

Aber da er ein sehr gutes Kind war, weinte er nicht lange. Er sah das Bild seiner schönen Mutter, das die alte Frau auf den Boden geworfen hatte, zu den anderen Dingen, welche die Räuber gestohlen hatten. Der kleine Heinrich sah das Bild, nahm es in seine kleinen Hände, küßte es vielmals und lispelte: »Mutter, Mutter!«

Nach einiger Zeit kamen die Musikanten auch.