Als er zum elften und zwölftenmal zwei schwarze Augen und einen schwarzen Schnurrbart auftauchen sah, dachte er noch ärgerlicher als zuvor:

»Ach, wird der Franzose seines ewigen Kletterns nie müde werden? Ich bin des Stoßens müde! Schon zwölfmal habe ich ihn hinuntergestoßen. Hoffentlich wird er nicht wiederkommen!«

Der Rekrut ging jetzt ungestört auf und ab, denn die erschrockenen Franzosen waren fortgelaufen.

Endlich kam der Hauptmann wieder, um die Schildwache abzulösen, und fragte nachlässig:

»Ist nichts zu rapportieren?«

»Nein, nichts,« erwiderte der Rekrut langsam. »Ich bin hier ohne Aufenthalt auf- und abgegangen, wie Sie befohlen, Herr Hauptmann. Niemand ist gekommen, außer einem Franzosen mit blassem Gesichte. Er hatte zwei kohlenschwarze Augen und einen spitzigen Schnurrbart. Er hat dort über die Mauer klettern wollen, und da Sie doch gesagt hatten, daß ich jeden zurückstoßen sollte, der hinaufzuklettern suchte, habe ich ihn rasch hinuntergestoßen. Der Kerl wäre so gern über die Mauer gekommen, daß ich ihn zwölfmal habe zurückstoßen müssen!«

Der Hauptmann, der diesem Bericht erstaunt zugehört hatte, sah jetzt über die Schanze hinweg in den Graben hinunter, wo nicht nur ein Franzose, sondern ein Dutzend derselben tot lagen am Fuße einer langen Leiter. Der dumme Rekrut hatte zwölf Franzosen getötet, und ganz unbewußt die Festung allein gegen einen Angriff verteidigt.

Als der Kommandant der Festung dieses hörte, sagte er: »Ich habe feierlich versprochen, jedem Soldaten einen Gulden zu geben für jeden Franzosen, den er von den Mauern hinunterstoßen würde. Obgleich dieser Rekrut behauptet (sagt), daß er nur einen Franzosen zwölfmal zurückgestoßen, soll er zwölf Gulden bekommen, denn zwölf Feinde liegen am Fuße der Leiter tot. Ich muß auch hinzufügen, daß es mir gar lieb wäre, wenn alle meine Rekruten meine Befehle ebenso pünktlich ausführen würden.«

[13.] Die Reise des Züricher Breitopfes.[(13)]

In dem Rathause der Stadt Zürich waren vor mehreren hundert Jahren die Ratsherren alle versammelt. Sie erwarteten eine Antwort aus Straßburg, dessen Rat sie ein Bündnis vorgeschlagen zum Schutz und Trutz gegen ihre gemeinschaftlichen Feinde.