»Es ist gut, mein Kind, daß du nicht alle Birkenblätter fortwarfst! Hier haben wir Gold genug, um uns ein kleines Gut zu kaufen!«
Betty und ihre verwitwete Mutter kauften nun wirklich ein kleines Gut. Sie kauften auch viele Kühe, Pferde, Ochsen, Schafe, Ziegen, Hühner, Gänse und Enten, und wurden sehr reich. Betty mußte das Vieh nicht mehr hüten, aber sie ging oft in den Wald, denn sie hoffte immer die schöne Waldfrau noch einmal dort zu sehen. Diese Hoffnung aber war immer vergebens, und Betty wurde sehr alt, ohne ihr schönes Mädchen je wiedergesehen zu haben.
[15.] Die vier Brüder.[(15)]
Ein Jäger hatte vier Söhne, die alle ihr Glück in der Welt suchen wollten, und die zu ihrem Vater sagten:
»Vater, wir sind jetzt alle mehr als sechszehn Jahre alt; wir möchten in die Welt gehen, um unser Glück zu suchen. Bitte, gieb uns ein wenig Geld für die Reise.«
Der Vater gab jedem zwanzig Florin und ein Pferd. Sie ritten munter über Berg und Thal, und kamen endlich auf einen Berg, wo vier Wege zusammenkamen.
Hier rief der älteste Bruder laut:
»Meine Brüder, wir wollen hier auseinandergehen. Jeder soll einen verschiedenen Weg einschlagen, um sein Glück zu finden. Wir wollen unsere Messer in diesen Birkenbaum stecken, und über Jahr und Tag wollen wir uns hier versammeln. Wenn einer von uns nicht kommt, und ein Messer verrostet ist, werden wir wissen, daß dessen Eigentümer tot ist.«
Die vier Brüder verabschiedeten sich. Jeder ging seines Weges, und als sie an günstige Orte kamen, lernten sie jeder ein Handwerk. Der Älteste wurde Schuster, der Zweite Dieb, der Dritte Astrolog und der Vierte Jäger.
Als Jahr und Tag herum waren, kamen sie alle an den Kreuzweg, fanden ihre Messer ohne Rost, und gingen fröhlich nach Hause.