Im Jahr 1807 mußte dieses Kirchlein nach dem Willen der Herrschaft und des Pfarrers eingehen. Dieser und der Verwalter hoben selbst das Altarblatt weg, und letzterer rief den Arbeitern, welche sich scheuten, die Gelübdebilder abzunehmen, höhnisch zu: »Werft die Kerle herunter, daß sie die Beine brechen!« Am folgenden Tage wollte er, in Hausen an der Möhlin, eine Leiter hinaufsteigen, aber auf der zweiten Sprosse glitt er aus und brach den einen Fuß so stark, daß derselbe nach der Heilung, wie ein Thierfuß aussah. Auch der Pfarrer wurde alsbald von einer anhaltenden Krankheit heimgesucht. Nachdem er zwei Jahre vergebens alle Mittel gegen sie angewendet, bat er eines Sonntags die versammelte Gemeinde, ihm die Kapelle wiederherstellen zu helfen, da er es allein nicht vermöge. Mit Freude ward diese Hilfe geleistet; bald stand das Kirchlein schöner da, als zuvor, und am Tage der Einweihung war die Krankheit des Pfarrers auf immer verschwunden.
Einige Zeit nachher zeigte sich in mehreren Nächten das Innere der Kapelle von wunderbarem Glanz erleuchtet. Zwei Rheinwächter sahen beim Heimgehen diese Erhellung und beschlossen, in das Kirchlein zu schauen. Zu dem Ende ließ sich der eine vom andern zu einem Fenster emporheben; aber kaum hatte er hineingeblickt, so verlangte er voll Schrecken wieder hinab. Auf die Frage: was er in der Kapelle gesehen habe – antwortete er nur: »Schaut selbst!« und am dritten Tage war er eine Leiche.
Der Schatz im Ambringer Grunde.
Auf dem Schloßberg im Ambringer Grunde stand vor Zeiten eine stattliche Burg, und in der Nähe war ein dazu gehörendes Bergwerk. Dasselbe lieferte an Gold und Silber so reiche Ausbeute, daß die Burgherren in einem unterirdischen Gewölbe große Schätze aufhäufen konnten. Darunter befanden sich neun silberne Kegel und drei goldene Kugeln, womit die Bergleute an Festtagen, nach der Vesper, zu spielen pflegten. Der Schlüssel des Gewölbes war von Gold und hing auf dem Altar der Schloßkirche, an dem goldenen Standbilde ihres Schutzheiligen Martin. Eine halbe Stunde von der Burg wohnte in einer Waldklause, an dem Ursprung der Felsenquelle, ein Einsiedler Namens Heini, welcher auf dem Schlosse gut bekannt war. Plötzlich wurde dieses in der Nacht von Feinden angegriffen und nach kurzer Gegenwehr eingenommen. Während sie darin raubten, alle Bewohner ermordeten und es den Flammen Preis gaben, gelang es dem Einsiedler, das Standbild des heiligen Martin nebst dem goldenen Schlüssel zu retten. In das Gewölbe kamen die Feinde nicht, und noch jetzt liegen alle die Reichthümer darin, wobei ein schwarzer Riese und ein zottiger Bär Wache halten. Auch Bruder Heini, der mit dem Standbild und Schlüssel bei dem Eselbrunnen, in tiefer Bergschlucht, begraben ist, muß als Geist die Schätze hüten. Wie bei seinen Lebzeiten geht er Mittags an der Quelle auf und ab, indem er aus einem Buche betet. Wenn man ihm ruft, bleibt er stehen, aber ohne umzuschauen.
Einen Mann aus dem Münsterthal führte er eines Abends in die verfallene Burg und darin in einen unterirdischen Gang, der vorn, in der Mitte und hinten eine eiserne Pforte hatte. Die letzte derselben war eine Gitterthüre, und alle drei wurden von dem Einsiedler mit dem goldenen Schlüssel aufgemacht. Alsdann kamen sie in das Gewölbe, wo der Mann alle die Reichthümer betrachten, aber nichts davon mitnehmen durfte. Beim Herausgehen schloß Heini die Pforten wieder zu und außerhalb der Burg schied er von dem Manne.
Das Bergwerk ist längst eingegangen, und von ihm nichts mehr übrig, als ein halb verschütteter Schacht.
Kirchenverhöhnung bestraft.
Als die Schweden Kirchhofen angezündet hatten und dann weiter zogen, wandte sich einer ihrer Anführer auf dem Pferde halb um und rief, auf die Kirche zeigend: »Seht doch, wie das Geißhaus brennt!« In dieser Stellung erstarrte er und war trotz aller Bemühungen nicht daraus zu bringen. Da gelobte er, auf seine Kosten die Kirche so wiederherzustellen, wie sie gewesen, wenn ihm geholfen würde. Auf dieses hörte die Erstarrung auf, und er säumte dann nicht, sein Gelübde in Erfüllung zu bringen.