Die Tafel bei Kirchhofen.
Als einst Nachts der Felsenmüller von Ehrenstetten mit vollem Geldgurt heim ging, ward er im Walde bei Kirchhofen von drei raubsüchtigen Bauern angefallen. In demselben Augenblick fing sein Hund in der über eine Stunde entfernten Mühle so an zu rasen, daß die Knechte ihn von der Kette losmachen mußten. Stracks rannte er nun seinem Herrn zu Hilfe, riß zwei der Bauern nieder und jagte den dritten in die Flucht. Wegen dieser wunderbaren Errettung ließ der Müller auf dem Platz eine Tafel errichten, worauf das Auge Gottes abgebildet ist, mit der Unterschrift:
»Gott ist überall zugegen, wie in offenen Landen, so in düstern Wäldern.«
Die Tafel ist noch an dem Orte, und er wird wegen ihr der Tafelplatz genannt.
Das Brunnenbecken zu St. Ulrich.
(Abweichung von Nr. 46 des Hauptwerks.)
Um den Stein zu diesem Troge seinem Kloster zu verschaffen, schloß der heilige Ulrich mit dem Teufel folgenden Vertrag ab. Er wolle eine Messe lesen, und der Böse unterdessen den Felsen vom Meeresgrund herholen; treffe er damit vor Ende der Messe ein, so erhalte er als Lohn Ulrich's Seele, komme er aber später an, dann müsse er den Stein umsonst abliefern. Die Messe las darauf der Heilige so, daß er nur ihre Haupttheile, Aufopferung, Wandlung und Kommunion, verrichtete, alles Übrige aber wegließ, und daher fertig war, als der Teufel mit dem Felsen auf dem nahen Winterberg anlangte. Sich überlistet erkennend, liest der Böse zornig den Stein in den Klostergarten hinabrollen. Wo er ihn angefaßt, hatten seine Krallen tiefe Eindrücke gemacht, die noch jetzt an der Brunnenschale zu sehen sind[5].
[5] Diese Sage ist ebenso ungegründet, als die unter Nr. 46 des Hauptwerkes.