Goldene Kugel.
Die elfjährige Angelika Brand in Freudenberg erzählte:
»Am dreizehnten August dieses Jahres[14], einem Sonntage, ging ich, Nachmittags gegen drei Uhr, mit zwei Gespielinnen und einem kleineren Buben auf das hiesige wüste Bergschloß. Beim viereckigen Thurme setzten wir uns nieder, und auf einmal kam, etwa fünfzehn Schritte von uns, eine glänzende Goldkugel aus dem Boden, die größer als eine Kegelkugel war. Sie wälzte sich langsam her und blieb vor unsern Füßen liegen. Wir Mädchen sahen sie deutlich; der Bube aber konnte sie nicht erschauen, obgleich wir mit Fingern auf sie hinwiesen. Da wir aus Angst anfingen, zu schreien, rollte die Kugel wieder langsam zurück und versank auf dem Platze, wo sie hervorgekommen war.«
[14] 1854.
Hexe als Löwe.
Als einst in Aschaffenburg die Leichenfrau um Mitternacht von einer Verstorbenen heimging, sah sie, in einer engen Gasse, einen fürchterlichen Löwen mit aufgesperrtem Rachen herankommen. Sie hielt das geweihte Kreuz, welches sie Nachts mitzunehmen pflegte, ihm entgegen; allein er sprang auf sie los, worauf sie ihm das Kreuz in den Rachen stieß. Da verwandelte sich der Löwe in ein altes, nacktes Weibsbild, das auf allen Vieren lief und hinten, statt des Schwanzes, einen Kochlöffel hatte.
Heiligenfrevel bestraft.
Im Jahre 1848 machten die Hammelburger in einer Scheuer einen Strohmann mit einem Stabe in der Hand, trugen ihn unter dem Spottgeschrei: »Das ist der Papst!« durch die Straßen und verbrannten ihn zuletzt vor dem Thore. Fünf Jahre nachher verkündete eine durchziehende Zigeunerin: zwischen Ostern und Pfingsten des folgenden Jahres werde die Stadt an allen vier Ecken brennen. Deßwegen vor den Landrichter geführt, sagte sie ihm: so gewiß werde ihre Vorhersagung wahr, als er sechsunddreißig Kreuzer bei sich habe. Da er nachsah, hatte er auch gerade so viel Geld in dem Beutel. In der bezeichneten Frist brach dann in derselben Scheuer und am gleichen Tage, wo der Strohmann gemacht worden war, eine Feuersbrunst aus, die fast ganz Hammelburg in Asche legte und so dessen Heiligenfrevel schrecklich bestrafte.