65De hertoginne van Bronswyk liet het komen in ’t openbaer

en schryven in kronyk en maken een schoon pilaer,

en by ’t graf stellen liet met een leeuw daer op gesneden

ter gedagtenis, zoo men ziet tot op den dag van heden.

Vlämisch: Sammlung fliegender Blätter Gent bei van Paemel Nr. 28. Antwerpen bei Jos. Thys Nr. 13. Schon früher mitgetheilt durch v. d. Hagen nach zwei Fl. Bl., das eine ohne Ort (vielleicht Brüssel), das andere “Tot Gend, by P. A. Kimpe, Boekdrukker by de Capucynen” in: Neues Jahrbuch der Berlinischen Gesellschaft für deutsche Sprache 8, 359–366.

Das Gedicht gehört wol noch dem 15. Jahrhundert an. Obschon es nur in ganz jungen Abdrücken vorhanden ist, so weisen doch die vielen alten Wörter und Wendungen, die darin übrig geblieben sind, obschon sie heute kaum mehr verstanden werden, auf ein hohes Alter zurück, z. B. naeren, strang, ongespaerd, zaen, zoe (ipsa), by nood, tegen hunnen dank. Trotzdem und trotz seiner volksthümlichen Versart ging das Gedicht aus den Kammern der Rederijkers hervor. Eine gewisse Unbeholfenheit und Weitschweifigkeit in der Darstellung und die künstliche Reimerei (die vielen Binnenreime) sind Eigenthümlichkeiten der Rederijkers, so wie auch die vielen Flickwörter und Redensarten, die nur des Reims wegen so häufig angewendet sind: ganz gewöhnlich ist das ziet (sehet!), ebenso manches Beiwort wie fier, verheven, onverdroten; ferner zonder verzeeren, zonder faelen, zonder schromen, zonder flouwen, zonder ophouwen, zonder dangier, zonder verdrag, met verdriet, met groot bezwaren, op dat pas, op ’t zelve pas; endlich noch hoort myn vermaen, hoort dit bedied, hoort myn bedieden, bediên, wilt verstaen, alzoo men weten mag.

Der Genter Text ist sehr verdorben. Da viele Wörter und Ausdrücke im Laufe der Zeit ungewöhnlich oder unverständlich geworden waren, so hat man sie mit anderen vertauscht. Dadurch sind denn häufig die Binnenreime verwischt worden.

Ich habe versucht, das Ganze so herzustellen, dass es sein altes Ansehen wieder gewonnen hat. Mag auch Einiges verfehlt sein, das Meiste ist gewiss das Ursprüngliche. Der Text bei Willems Nr 107. ist nur eine Bearbeitung nach van Paemel in 38 Strophen.

Über die Sage von Heinrich dem Löwen und wie sie von deutschen Dichtern verarbeitet ist, handelt ausführlich Karl Gödeke in seinem Reinfrit von Braunschweig (Hannover 1851), woselbst auch S. 82–84 unser Gedicht mit erwähnt wird. Die Sage ist aber älter als der Reinfrit, schon Cäsarius von Heisterbach gedenkt ihrer.