Wie ist der Zauber des Innenraums, das Formgeheimnis jener alten Hauswinkel gebannt, die noch nichts von der banalen Wirklichkeit der Bauten unserer Zinshaus- und Grundstücksspekulanten kannten! Bald ist es die Schummrigkeit des Alkovens, bald die spielzeugähnliche Kubik des kleinen Kramladens, bald die wohlhäbige Räumlichkeit einer Hausflur oder die ansprechende Sachlichkeit schlichtschönen Hausrats, die einen ganz klaren Stimmungsreiz auslösen. Und alles mit den geringsten Mitteln gemacht. Wie vieles mag der häuslichen Umgebung entnommen sein? Da ist dasselbe einfache Motiv der Wendeltreppe, das wir wiederholt finden, einmal in „Hannchen und die Küchlein“, dann wieder im „Katzenbuch“ und in den Fabeln.

Dieser Hauch der Unmittelbarkeit, der über alles ausgegossen ist, umspielt auch das Kleinstadtleben in Gassen, Hofplätzen und Dachwinkeln.

Mir fällt dabei ein Gedicht von Arno Holz ein, das „Erinnerung“ betitelt ist und zum Teil also lautet:

Rote Dächer

Aus den Schornsteinen, hier und da, Rauch,

Oben, hoch, in sonniger Luft, ab und zu, Tauben.

Es ist Nachmittag.

Aus Mohdrikers Garten her gackert eine Henne,

Die ganze Stadt riecht nach Kaffee.

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