Ein Hümpelchen Reseda.
Wie das riecht?
Bis zu mir rauf!!
So sind die Zeichnungen Otto Speckters. Man fühlt in ihnen ordentlich die reine klare Luft, in der das gesprochene Wort seinen Widerhall findet.
Wie kommt’s, daß mir beim Anblick dieser Blätter die Jugendjahre lebendig werden, daß mich hier oben im schönen bayerischen Land, im Anblick der Berge, die Sehnsucht nach der alten norddeutschen Heimat meiner Väter anfällt mit ihrem Strand, ihrer regenschweren Luft und ihren sausenden Stürmen? Was anders als die Stärke dieser Kunst, die eben in der Stärke des Naturgefühls wurzelt, die Meisterschaft, mit der all die Dinge in ihrer Wesenheit gepackt sind.
Freilich ist manches unbeholfen, ein wenig hart und trocken geraten. Aber ist diese Unbeholfenheit nicht auch ein Stück deutschen Wesens, diese Gradheit und Echtheit, die sich lieber scheu auf sich selbst zurückzieht, statt einer leeren Geste, dem hohlen Pathos, lieber Verhaltenheit in Ausdruck und Bewegung gibt?
Daß seinem ganzen Schaffen der kindliche Zug anhaftet, daß aus diesem tiefsten Grunde den Kinderbüchern der Preis gebührt, daß diese Seite seiner Kunst es ausschließt, daß das Tragische und Dämonische in seiner ganzen Stärke und Kraßheit damit zum Ausdruck gebracht wird, das sind Einschränkungen, die wohl gemacht werden müssen, aber das eigentümlich Specktersche nur unterstreichen und dem Liebhaber, der die Persönlichkeit über alles setzt, kaum als die Feststellung von Mängeln gelten werden.
Den Urgrund für all sein Schaffen, die Fülle, aus der er schöpfte, bildete des Künstlers eigenes glückliches Familienleben, das er sich schuf, nachdem das Elternhaus durch den Tod der Mutter (1842) und des Vaters (1846) verwaist war. Speckter hatte sich im Jahre 1847 mit der um 17 Jahre jüngeren Auguste Bergeest vermählt, die einer angesehenen Kaufmannsfamilie entstammte, deren Ahnherr Jahrhunderte vorher als durch den Religionshader verarmter Sproß eines elsässischen Adelsgeschlechts nach Hamburg eingewandert war und deren Familien- und Handelsbeziehungen über See nach England und dem dänischen St. Thomas reichten.
Dieses Eheleben, dem sieben Kinder erblühten, war voller Sonne, aber nicht ohne Schatten. Sorgen, nicht gerade ums tägliche Brot, wohl aber um die Aufrechterhaltung eines großen Hausstandes und eines Geschäftes, dessen Nutzen von Jahr zu Jahr fragwürdiger wurde, beeinträchtigten die ersten Jahre des harmonischen Zusammenlebens.
Zwei Schwestern, die weiter im Hause wohnen blieben, mußten mit versorgt werden. Der alte gleichfalls übernommene Teilhaber Herterich war allmählich etwas linkisch geworden. Seine Hauptbeschäftigung war das Kreidekochen, wenn er nicht stundenlang vor seiner Kopie nach Claude Lorrain saß, an der er bereits zwanzig Jahre lithographiert hatte und angestrengt darüber nachgrübelte, ob er sie nicht durch einige Punkte und Striche noch verbessern könnte. Der Specktersche Familienwitz erfand daher für derartige Beschäftigungen die Bezeichnung „Clauden“.