Um so unermüdlicher war Otto Speckter in dem Bestreben, das Geschäft aufrecht zu erhalten und die vielen Pflichten gegenüber der Familie zu erfüllen.

Um ihm die oft ermüdende eintönige Arbeit zu erleichtern, las die Gattin ihm dabei vor, wie es früher die Mutter und die Schwestern getan hatten. Das und die Unterweisungen, die er ihr wiederum im Blumenmalen gab, befestigte die innige Interessengemeinschaft zwischen den Eheleuten.

Bescheidene kleine Reisen an der Seite der Frau, die Mappe unter dem Arm, den Malkasten über die Schulter gehängt, waren die einzige Erholung, die sich der Rastlose gönnte.

Als der alte Herterich im Jahre 1852 starb, war endlich die Zeit gekommen, das verhaßte Joch abzuschütteln. Die geschäftlichen Verhältnisse waren immer unübersichtlicher geworden, und als ein kaufmännischer Schwager bei Prüfung der Bücher doch einen recht annehmbaren Jahresgewinn herausrechnete, mußte Speckter ihm entgegnen, daß er ja die Honorare, die er für seine illustrierten Bücher empfing, hineinsteckte, um davon mit Mühe und Not die Gehilfen zu bezahlen, für Leistungen, die wenig oder nichts einbrächten.

Nicht ohne Widerstand der Familie, die im Aufgeben des ererbten Geschäftes einen Mangel an Pietät erblickte, während die einsichtige Frau zum Abschluß trieb, wurde der Verkauf durchgesetzt und erst nachdem dies geschehen und der Umzug mit dem im Laufe der Jahrzehnte angehäuftem Kram aus dem alten Haus in der Katharinenstraße in eine neue Wohnung nicht ohne Schwierigkeiten erfolgt war, konnte Speckter aufatmen und sich nun wirklich als freier Künstler fühlen.

Gerade mit dieser Schicksalswende fiel der Auftrag für die Ausstattung des „Quickborn“ zusammen. Sie gab dem Künstler die Kraft und Frische, sich dieser Aufgabe zu entledigen und die Muße, auf einer Studienreise sich in Land und Leute zu versenken.

Ohne die lästigen Geschäftssorgen waren nun die Tage doch dauernd mit allerlei Aufträgen ausgefüllt. Die Porträtaufgaben wurden gepflegt, auch sonstige lithographische Arbeiten künstlerischer Natur, die er für seinen Geschäftsnachfolger Ritter übernahm.

Zu den schon in der Jugend gefertigten Pathenbriefen gesellten sich Konfirmationsscheine, die von Velhagen & Klasing in Bielefeld gelegentlich eines Besuches daselbst am Schlusse einer Reise bestellt waren.

Die Malerei hatte er nach eigener Aussage bei Bottomley erlernt, während dieser Freund nach seiner Rückkehr aus Rom in einem unbenützten Raume des Hauses in der Katharinenstraße auf Ottos Einladung sein Atelier aufgeschlagen hatte. Sie wurde jetzt auch weiter getrieben.

Zumeist handelte es sich um Tierbilder. Einige Aristokraten und reiche Bürger ließen ihre Lieblingspferde und Hunde oder sich selbst mit ihrer Familie in der Ausübung eines Sports malen.