Viele Bewunderer fand auch der mit drei Tierfiguren geschmückte Fuß eines silbernen Prunkbechers für den Senat, dessen plastisches Vorbild der des Modellierens völlig Unkundige geschickt aus Wachs formte. Ferner eine Reihe von Dankadressen, die der Senat den fürstlichen Spendern gelegentlich der Not der Brandkatastrophe stiftete, und bei denen Speckter die alte Technik der Buchstabenvergoldung wieder belebte.
Die Münchener Bilderbogen von „Rapunzel“ und dem „Froschkönig“, deren Storm in seinem Schreiben Erwähnung tat, dürfen nicht vergessen werden. Es sind große figurenreiche Kompositionen, die in ihrem Aufbau an Schwinds berühmten Bilderbogen vom „Gestiefelten Kater“ erinnern und sich wohl auch an diesen anlehnen.
Selbst der Entwurf eines Schüttelbaums für die Militärkapelle wird erwähnt.
Die Modelle für sein Schaffen bot immer die nächste Umgebung, die auch ständig der Schauplatz eines bewegten Lebens war, das bei aller Einfachheit nie dürftig oder einseitig wurde.
Immer ist da ein kleiner Garten, eine große Linde, ein Obstbäumchen, das den jubelnden Kindern seinen Segen auf die braune Erde schüttelt. Und immer gibt es Tiere als Hausgenossen. Ein Hund gehört stets zur selbstverständlichen Vollzähligkeit der Familie. Jahrelang gackern auf dem kleinen Hof des Stadthauses Hühner. Ein Igel, ein Fuchs geben zeitweilig Gastrollen. Bald wird ein toter Schwan geschickt, dem man die Flügel mit Schnüren auseinanderspreizt, bis er zum Entsetzen der Hausbewohner platzt, bald ist es ein Kater, der vor Wut und Furcht durch die Stube faucht, dann wieder ein flügellahmer Storch, dem der Erstgeborene Hans zwischen die Flügel gesetzt wird, so daß das erschrockene Tier mit dem vor Glück jauchzenden Kind im Zimmer herumrast und dem vergnügten Vater ein neues Motiv bietet.
Einmal haben Freunde eine junge Ente als Modell geschickt. Sie wird in einer Wasserbütte im Schlafzimmer untergebracht. Ein mächtiges Gepolter ruft die Gattin nach oben. Ein morscher Bücherschrank ist zusammengestürzt, der Boden mit Büchern und Trümmern bedeckt, die Ente platscht lustig dazwischen herum und im Bett liegt Speckter lachend und meint, daß er auf die Weise am besten arbeiten könne.
In diesem lustigen Durcheinander wächst eine pausbäckige Kinderschar heran, die das ganze Glück der Eltern bildet.
Speckter duldet sie mit ihrem Spiel in seinem Arbeitsraum, nimmt auch selber daran Teil. Es werden große Schlachten geschlagen, die einen vollen Tag währen, und wobei die Zinnsoldatenheere das ganze Zimmer beherrschen. Puppentheater wird gespielt, Tierfiguren werden ausgenäht.
Besonders der Älteste, Hans, der schon frühzeitig Begabung zeigt, ist der Stolz des Vaters. In ihm möchte er unerfüllte Jugendträume verwirklicht wissen und er hat später noch die Genugtuung, ihn die Weimarer Akademie beziehen zu sehen.
Außer den Tieren und Kindern muß auch die sonstige häusliche Umgebung Modelle liefern. Für die zierlichen Landmädchen mit den großen Hüten im „Quickborn“ hat die langjährige Milchfrau des Hauses als Vorbild gedient. Der Gärtner Feldmann wurde, in einen Talar gesteckt, für die Gewandstudie eines Pfarrerbildnisses gebraucht und den Hinzukommenden zur allgemeinen Belustigung als Pastor Feldmann vorgestellt. Im Haushalt, in dem Magret, die greise Kinderfrau, einen Ankömmling nach dem anderen betreute, herrschte ein patriarchalischer Ton. Als Beispiel dafür mag folgende hübsche Anekdote dienen: