Im Furche-Verlag / Berlin 1920

Dem Andenken meiner Frau,
der Freundin der Kleinen und Kleinsten

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„Die Hamburger Familie hat in Speckters Kinderbüchern einen Schatz, den sie nicht vergessen sollte. Es dürfte sich lohnen, das Wertvollste zu einem Buche zu vereinen.“

Diese Worte, die Alfred Lichtwark am Anfang der neunziger Jahre des vergangenen Jahrhunderts schrieb, behielten auch ihre Richtigkeit, wenn man sie statt auf die Hamburger auf die deutsche Familie im weitesten Sinne anwenden wollte.

Es ist nachgerade unverständlich, daß bei der Fülle der Neuausgaben, Ausgrabungen und Wiederentdeckungen der letzten Jahrzehnte ein Werk wie dasjenige Otto Speckters vergessen bleiben konnte, während beispielsweise das Schaffen Ludwig Richters in unzähligen kleinen und großen Mappenausgaben den Lebenden ins Gedächtnis geführt wurde.

Es mag dies an der ausgesprochen norddeutschen Haltung der Speckterschen Arbeiten liegen, die in ihrer Sprödigkeit und Scheu dem Tageserfolg und der Schätzung der Menge ferner steht als die breite Volkstümlichkeit des Mitteldeutschen Ludwig Richter, die liebenswürdige Anmut des Österreichers Moritz von Schwind oder der naive Dilettantismus des Münchener Kinderfreundes Graf Pocci. Und doch zeichnet die Arbeiten Otto Speckters, abgesehen von ihrer nur dem Eingeweihten verständlichen graphischen Besonderheit, eine Innigkeit des Naturgefühls, eine Echtheit des künstlerischen Empfindens, eine tiefe Verwandtheit mit dem literarischen Gegenstand ihrer Darstellung aus, die ihn jenen vielgenannten Illustratoren wenigstens ebenbürtig erscheinen läßt.

Der schon erwähnte ausgesprochen norddeutsche Charakter seines Werkes kann, von höherer Warte betrachtet, nicht als eine Beschränkung im Sinne lokaler Enge gelten, sondern vielmehr als eine Bereicherung der gesamtdeutschen Leistung um eine Farbabstufung voll von besonderer Süße, Tiefe und Eigenart, die dem bunten Strauß deutscher Illustrationskunst als eine seiner schönsten Blüten erst Vollständigkeit gibt.