Erklärlich wird die Kraft dieser Wirkung einmal aus der strengen Einheit des geistigen, künstlerischen und gesellschaftlichen Zustandes, dem der Künstler entsprossen ist, zweitens durch die straffe Zucht, die ihn, veranlaßt durch bestimmte Familienverhältnisse, sich fast nur auf das graphische Gebiet beschränken ließ und ihm so die Mittel gefügig machte, um sich ihrer gleichsam spielend bedienen zu können.

Die künstlerische Welt, aus der Otto Speckter hervorging, ist jedem vertraut, der Hamburg und seine Sammlungen kennt.

Es gibt wohl kaum eine zweite Stätte in Deutschland, in der so stark bodenständige Überlieferung sich ausdrückt als in der Hamburger Kunsthalle, wie sie durch Lichtwarks Bemühen geworden ist. Neben Philipp Otto Runge, dem überragenden Haupt und geistigen Vater der Gruppe, finden sich die Gensler, Oldach, Milde, Asher, Morgenstern, Wasmann, Kauffmann, Erwin und Otto Speckter und manche kleinere Begabungen wie Haeselich, Heesche, Vollmer und wie sie alle heißen. Alle trotz der Verschiedenheit des Könnens und der Stoffgebiete verbunden durch die Gleichheit der Anschauung, die Echtheit der Gesinnung und den Adel der Form.

Die gemeinsame Bindung hatte ja tiefere Wurzeln als in einer bloß geistigen Übereinkunft der Kunstanschauungen: sie beruhte vielmehr auf der allgemeinen Kultur des bürgerlichen Daseins, des öffentlichen Lebens, in dem diese Künstler standen und in dem sie durch Freundschafts- und Familienbande wechselseitig aufs engste verknüpft und auf gegenseitige Verständigung und Förderung verpflichtet und angewiesen waren.

So in ihren Grenzen bestimmt ist die Welt Otto Speckters und seiner Familie, und was aus Überlieferungen davon bis auf uns gekommen, ist so bezeichnend für den Geist jenes alten Bürgertums, so reizvoll in seinen Einzelheiten, so wertvoll für die Kulturgeschichte des neunzehnten Jahrhunderts, daß es hier wenigstens in knappen Zügen wiedergegeben werden soll:

Die Familie Speckter, ursprünglich plattdeutsch Specketer, stammt aus Uthlede, einem alten Weserdorf im Hannöverschen, dem ehemaligen Herzogtum Bremen, in dem ihre Ahnen Generationen hindurch das dornenreiche Amt des Küsters und Schulmeisters verwalteten.

Ihre Lebensverhältnisse waren dürftiger Art. Erst Johann Michael Speckters, des Gründers der Hamburger Linie, Vater, der die Pfarre seines Heimatdorfes innehatte, festigte durch seine Heirat mit einer wohlhabenden Bauerntochter den Wohlstand der Familie.

Johann Michael Speckter, geboren 5. Juli 1764 zu Uthlede, gestorben 1. März 1846 82jährig zu Hamburg, kam als Jüngling in diese Stadt. Dem Knaben, der frühzeitig schon Neigung zur Wissenschaft, vorzugsweise zur Mathematik verriet, hatte der Vater, dank seiner guten Vermögensumstände, eine höhere Ausbildung angedeihen lassen können.

Zur Vervollständigung seiner Studien bezog er in Hamburg die damals berühmte Handelshochschule von Büsch.

Im „Büschischen Kreise“ mag er vielerlei Anregung erfahren und Männer von Bedeutung kennen gelernt haben. Nennt ihn doch Ernst Moritz Arndt in einem Brief an Otto Speckter vom Jahre 1848 seinen Jugendfreund und gehörte doch auch Alexander von Humboldt zu den Schülern der Anstalt.