Liebe Mine! lieber Wurm!
Es ist wahr ich habe einen kleinen Sohn! Jetzt nach grade fange ich an es denken zu können. Es ist wieder ein Speckter da!! Gebe Gott daß er Alles das erreiche was ich gewünscht habe, sowohl als Mensch wie als Künstler, mit einem Worte, daß er besser werde wie sein Vater, u dazu gehört besonders, daß er seine Mutter mehr in Ehren halte, denn lieber wird er seine nicht haben können.
Es wäre gar so schön, wenn das Werk was unser alter Vater begonnen, u. wofür er wie seine Söhne nur gedacht u empfunden haben, wenn das der Enkel erreichte, u nicht nur im Wollen u Streben, sondern in der Vollendung ein Künstler würde. Ja lieber W., täglich denke ich daran, wie schön es wäre, wenn unser Alter das noch erlebt hätte, er mit seinem Gemüth würde ein ächter Großvater sein, so ganz beständig auf seinem Platz sitzend beobachten, würden die beiden ganz ineinander gelebt haben, u mein Junge würde für sein ganzes Leben sehr viel daran gehabt haben. Doch mit dem Alten wird er doch noch leben, denn ich habe alle die alten Bilder u Zeichnungen in die Kinderstube aufgehängt, u dann soll er auch Johann nach seinem Großvater heißen, u dazu mögten wir denn gern die älteste Speckter gebeten haben uns dabei behülflich zu sein, u bei unserm Hans Gevatter zu stehen, wie das einzurichten ist weiß ich freilich nicht, doch darüber können wir uns verabreden, außerdem soll die Großmutter, u der alte Herterich dabei sein. Gott gebe, daß alles so guten Fortgang haben möge wie bisher, denn meine kleine Auguste u der Junge sind so wohl wie es nur zu wünschen ist, u Gott gebe daß der Hans, wenn er anfängt zu denken, ein Einiges Deutschland u ein selbstständiges Hamburg vorfinden möge, auch als Anerkennung u Freude über den Reichsverweser nenne ich ihn Johann, denn wenn der nicht gekommen wäre, so hätte ich keine Hoffnung für die Zukunft gehabt.
Daß ich Euch die Anzeige nicht früher selbst gemacht, müßt Ihr entschuldigen, ich hatte so viel um die Ohren u dachte denn auch, Sie wissen es ja schon, auch daß ich Deinen ersten Brief liebe Mine nicht beantwortet habe ist aus demselben Grund, doch jetzt noch ein paar Worte darüber. Du thust mir in so fern Unrecht, wenn Du glaubst ich bildete mir auf die Randzeichnung viel ein, wirklich nicht, ich konnte damals nichts anders machen, es ist mein Glaubensbekentniß Daß ich es Uhland geschickt thut mir leid da er so linkisch geworden ist, und folglich nicht mehr dichten kan, ich habe es dem Dichter Uhland geschickt dem ich diese Gedanken u Empfindungen auch verdanke, denn Anfangs wollte ich sein Lied „Was die Väter schufen“ u s w dazu nehmen, es wäre mir lieb gewesen wenn er es mir wieder geschickt hätte. Was Herrmann darüber gesagt hat gilt mir nicht so viel wie Kaulbachs Äußerung gegen Asher darüber: Überhaupt fange ich nach u nach an mir etwas auf d Blatt einzubilden durch die mancherlei Briefe-Sendungen von den verschiedensten Gegenden her, so schrieb unter andern Geibel „Ich bin mit seinem Gedankeninhalt so wie mit dem Liede völlig einverstanden“. Zum Schluß um Dich nicht zu langweilen aus Arndts vortrefflichem Brief nachdem er mit mir Nachts in der alten Stadt (Frankfurt) umhergewandelt ist schreibt „u selbst bei Steinen Mauren[1] u Schornsteinen muß ich ausrufen: o wie viel Prunk u nichtiger Tand ist in euch jungen! Denke ich vollends an das Geschrei, das von unserer Tribüne tost u allem Alten Ab! Ab! zuruft so sehe ich kaum ob wir einige hübsche Zierrathen u Arabesken von dem alten elegischen Reichsthum[1] von weiland retten werden. Die Jüngern hier sind leider zu jung u die Meisten von ihnen nur Nachbeter dessen was kosmopolitische Schelme von Juden u Franzosen ihnen leichtbegreiflich vorklingeln[1]“. Dan nennt er mich seinen lieben Otto u kommt auf unsern Alten, daß der sein Jugendfreund war in büschischen u studentischen Jahren, auch daß er, meine Schwester die liebe Wurmin kennen gelernt schreibt er. Kurz der Brief ist prächtig u meinem Hans aufbewahrt werden, denn wills Gott wird er auch ein ächt conservativer Speckter. Auch so behaltet mich, mein Weib u Kind lieb, u verzeiht vorgefallene Grobheiten.
Euer Otto Speckter.
Bis hier schrieb ich gestern Abend, weil meine kleine Frau noch ein paar Worte zufügen wollte, doch ist es zu unbequem im Bett zu schreiben.
[1] Im Originalbrief Arndts heißt es „Mauern“, „Reichsthurm“ und „vorwiegeln“.
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