Meine Augen vor Wonne tauten …
Nun, wo ich am Tag so gehe,
Verfolgt mich die Sehnsucht überall
Nach dem seltsamen Fluß mit dem Wasserfall
Und dem Lande hinter der Höhe.
Victor Blüthgen
Der kleine Häwelmann
Es war einmal ein kleiner Junge, der hieß Häwelmann. Des Nachts schlief er in einem Rollbett und auch des Nachmittags, wenn er müde war. Wenn er aber nicht müde war, so mußte seine Mutter ihn darin in der Stube hin und her fahren, und davon konnte er nie genug bekommen.
Nun lag der kleine Häwelmann eines Nachts in seinem Rollbett und konnte nicht einschlafen. Die Mutter aber schlief schon lange neben ihm in ihrem großen Himmelbett. »Mutter!« rief der kleine Häwelmann, »ich will fahren!« Und die Mutter langte im Schlaf mit dem Arm aus dem Bett und rollte die kleine Bettstelle hin und her, immer hin und her. Und wenn ihr der Arm müde werden wollte, so rief der kleine Häwelmann: »Mehr, mehr!« Und dann ging das Rollen wieder von vorne an. Endlich aber schlief die Mutter fest ein, und so viel Häwelmann auch schreien mochte, sie hörte es nicht.
Da dauerte es nicht lange, so sah der Mond in die Fensterscheiben, der gute alte Mond. Und was er da sah, war so possierlich, daß er sich erst mit seinem Pelzärmel über das Gesicht fuhr, um sich die Augen auszuwischen. So etwas hatte der alte Mond all sein Lebtag nicht gesehen. Da lag der kleine Häwelmann mit offenen Augen in seinem Rollbett und hielt das eine Beinchen hoch in die Höhe. Sein kleines Hemd hatte er ausgezogen und hing es wie ein Segel an seiner kleinen Zehe auf. Dann nahm er ein Hemdzipfelchen in jede Hand und fing mit beiden Backen an zu blasen. Und allmählich leise, leise fing es an zu rollen, über den Fußboden, dann die Wand hinauf, dann kopfüber die Decke entlang und dann die andere Wand wieder hinunter. »Mehr, mehr!« schrie Häwelmann, als er wieder auf dem Boden war, und dann blies er wieder seine Backen auf, und dann ging es wieder kopfüber und kopfunter.