»Ja,« nickte der ihr zu. »Ich bin der Abendfriede. Ich will dich mit zu meinem Stern hinaufnehmen. Er hat das allersanfteste Licht, und sanft und friedlich wie sein Licht ist alles auf ihm.«

»Ach,« sagte die Seele des alten Mütterchens, »willst du mich allein erlösen und ihn dort nicht?«

Und sie zeigte nach dem Bett, in dem der alte Mann schlief, welcher keine Lust hatte, von der Erde zu scheiden.

»Noch nicht,« nickte der Abendfriede zu dem Bett hinüber. »Aber bald!« Und er lächelte wie in Gedanken.

Das sah die Seele der alten Frau, und es überkam sie so friedlich und freudig; und die beiden schwebten himmelauf, zu dem Stern hin.

Acht Tage lang ließ sich der Abendfriede nicht bei dem Häuschen spüren; nur im weiten Bogen flog er um dasselbe herum. Dann kam er wieder zu der Steinbank.

Aber der alte Mann war nicht auf der Steinbank.

Er guckte in das Fenster, und da sah er ihn drinnen auf der Ofenbank sitzen und schlüpfte zu ihm in das Stübchen.

Der arme alte Mann war ganz allein. So wehmütig sah es aus, wie er ganz versunken dasaß, die braunen, schwieligen Hände zwischen den Knien zusammengelegt. Er weinte nicht; aber seine Augen waren rot, und er hatte das weiße Haupt gesenkt und rührte sich nicht. Die Kuckucksuhr an der Wand tickte so eilig, als ob sie etwas versäumt hätte, und das Herz des Greises tickte auch, aber so müde, so langsam!

Neben ihm lagen das Gesangbuch und die Brille; und in dem aufgeschlagenen Gesangbuch war ein Lied zu sehen, das fing an: