»Sonst saßen wir um diese Zeit auf der Bank draußen. Aber nunmehr bringe ich es nicht über das Herz, hinauszugehen. Es ist mir alles vergällt. Das Licht tut meinen Augen weh, von dem Vogelgepiep und Kinderschreien schmerzen mir die Ohren, und wenn ich die Glocken so läuten höre, quält es mich da drinnen, wo das Herz sitzt. Die Glocken haben auch geläutet, als wir mein altes Mütterchen Gertrud begraben haben.

Was soll ich auch noch auf der Welt? Das möchte ich wissen. Ich ginge je eher je lieber hinaus. Aber da läßt mich’s nicht, als ob die Welt ohne mich nicht bestehen könnte. Jeder kann froh sein, der erlöst ist.

Ach, lieber Tod, komme bald!

Ich glaube, daß er wirklich kommt; denn ich weiß nicht, wovon mir jetzt so wohl wird.«

Er konnte es nicht merken, daß der Abendfriede über ihm flog und seine Flügel schüttelte. Der Wundertau rieselte über ihn, das war es, was ihm so wohl tat.

Der Tod kam nicht; aber erlöst wurde er doch in der Nacht, so sanft wie das alte Mütterchen, und es war wieder der Abendfriede, der ihn erlöste. Der Tod mit der Sense schneidet bloß in ein Leben, das anders nicht zerreißen will.

»Ach, das ist schön,« sagte die Seele des alten Mannes zu dem Engel. »Nun führe mich zu meinem lieben alten Mütterchen!«

Und der Abendfrieden nickte.

»Weißt du noch,« sprach er unterwegs, »wie du die Erde so schön fandest und gar nicht begreifen mochtest, daß man sie gern verlassen könnte?«

Die Seele dachte nach.