Rauschelaub, rausch mir das Werdelied von goldener Frühlingszeit, wo junges Gras aus dir hervorkommt und weiße Blumen zwischen dir winken, wo alle Vögel singen im sonnigen Frühlingswald!
Gerade hier, wo ich bin, wo das dunkle Schaftheu seine starren Halme reckt und blanker Efeu schimmert, hier am Grabenrand, da wird es dann wunderbar sein. Braune Simsenknäulchen werden da zittern; weiß wird alles sein von Windröschen, und dazwischen wird die goldene Waldnessel blühn.
Einen großen, runden Fleck malt die Sonne vor mich hin auf rotes Laub und dunklen Efeu. Und mitten darin blüht es weiß und goldgelb, ein weißes Sternchen, drei goldene Mäulchen, zwei Frühlingsblüten im späten Herbst.
Das ist ein Wunder, ein wirkliches Wunder. Alle Windröschen haben im Frühjahr geblüht; alle Goldnesseln leuchteten im Mai; diese beiden aber blühen jetzt in dem großen, runden Fleck, den die Sonne auf den Grabenrand wirft, die Spätherbstsonne.
Denn Sonne bleibt Sonne und behält ihre Kraft. Ringsherum fallen die Blätter, rund umher welkt das Laub; hier allein blüht ein Stück Frühling in der Sonne im Wald.
Hermann Löns
Herbstgold
Wie war’s im Walde
Heut wunderhold –
Die Wipfel alle