»Nein!« sagte der Baum.
»Dann danken wir dafür!« erwiderten die Ratten und gingen fort.
Die kleinen Mäuse blieben zuletzt auch weg, und da seufzte der Baum: »Es war doch ganz hübsch, als sie um mich herumsaßen und zuhörten, wie ich erzählte! Nun ist auch das vorbei! Aber ich werde daran denken, mich zu freuen, wenn ich wieder hervorgeholt werde.« Das dauerte aber recht lange.
Endlich eines Morgens kamen Leute und wirtschafteten auf dem Boden; die Kasten wurden weggesetzt und der Baum hervorgezogen; sie warfen ihn freilich ziemlich hart hin, aber ein Diener schleppte ihn sogleich nach der Treppe, wo es hell war.
»Nun beginnt das Leben wieder!« dachte der Baum; er fühlte die frische Luft, die ersten Sonnenstrahlen, und nun war er draußen im Hofe. Alles ging sehr rasch; der Baum vergaß ganz, sich selbst zu betrachten. Der Hof stieß an einen Garten, und alles blühte darin; die Rosen hingen frisch und duftend über das niedere Gitter hinaus, die Lindenbäume blühten, und die Schwalben flogen umher und zwitscherten: »Quirre-virre vit, mein Mann ist kommen!« Aber es war nicht der Tannenbaum, den sie meinten.
»Nun will ich leben!« jubelte dieser und breitete seine Zweige weit aus; aber ach, sie waren alle vertrocknet und gelb, und er lag da im Winkel zwischen Unkraut und Nesseln! Der goldene Stern saß noch oben an der Spitze und glänzte im Sonnenschein.
Im Hofe spielten einige von den Kindern, die zu Weihnachten den Baum umtanzt hatten und so fröhlich gewesen waren. Eins lief hin und riß den Goldstern ab.
»Sieh, was da noch an dem alten, häßlichen Tannenbaum sitzt!« sagte es und trat auf die Zweige, so daß sie unter seinen Stiefeln knackten.
Und der Baum sah all die prachtvollen Pflanzen und Bäume im Garten, betrachtete sich dann selbst und wünschte, daß er in seinem dunkeln Winkel auf dem Boden liegen geblieben wäre; er dachte an seine frische Jugend im Walde, an den lustigen Weihnachtsabend und an die kleinen Mäuse, die so gerne die Geschichte von Klumpe-Dumpe angehört hatten.
»Vorbei! vorbei!« seufzte der arme Baum. »Hätte ich mich doch gefreut, als ich es noch konnte! Vorbei! Vorbei!«