Wie immer, so hatte mein Vater auch diesmal recht. Ich hörte einen getragenen Schall und Widerhall im Walde. Es nahten Menschen. Doch nicht die Holzknechte waren es, die um den Wolfgang kommen sollten, sondern quer über die Wiese her kam ein junges Weib, das trug einen Korb am Rücken und führte ein etwa dreijähriges Kind am Arm. Sie sangen ein lustiges Kinderlied, und das kleine Mädchen lachte dabei und hüpfte flink über das weiche Gras.
Ich erkannte die Nahenden bald, es waren das Weib und das Kind des erschlagenen Jägers Wolf.
Sie kamen heran, und als sie mich sahen, sagte die Jägerin zum Mädchen: »Schau, Agatha, da beim Kreuz sitzt ein Bub, der betet ein Vaterunser; das ist gar ein braver Bub.«
Dann kniete sie hin auf den Stein, legte die Hände zusammen und betete auch. Das Kind tat desgleichen und war gar ernsthaft dabei.
Mir war unbeschreiblich weh. Wie hätte ich sagen können, was unter dem Reisig lag! Ich ging abseits gegen die Weiden.
»So, mein Herz,« sagte das Weib hierauf zur Kleinen, »jetzt geh ich Enziankraut schneiden, du setz dich dieweilen da auf das G’reisigbrett und brocke dir Zäpfchen ab. Hernach kommt der Vater vom Teufelsstein herab, und hernach setzen wir uns zusammen und essen den Schottenkäs, den ich im Korb hab, und hernach hopsen wir lustig miteinander heimzu.«
Und sie setzte das Kind auf den Reisighaufen – auf die Bahrstätte des Vaters. Dann ging sie mit dem Korb gegen den Wiesenrain, wo Gebüsche von Enzian standen. Von dort aus rief sie mich an, was ich denn so allein mache auf der Wildwiese, ob ich mich verirrt hätte oder etwa Ziegen suchte?
Ich wußte keine Antwort, deutete auf einen großen, schneeweißen Schmetterling und sagte: »Jetzt schau das Tier an, wie’s herumfliegt; schau, wie’s fliegt!«
»Bist ein rechter Närrisch, du!« versetzte die Jägerin lachend und ging an ihre Arbeit.
Die kleine Agatha spielte auf dem Reisighügel, sie zupfte an den Zweigen und wühlte in denselben und nestelte etwas hervor. Endlich wurde ihr bang, und sie hub an nach der Mutter zu rufen.