Nach einer Weile kam das Weib heran, da hielt ihm das Kind einen Ring entgegen und sagte: »Schau, das hab ich gefunden, das ist des Vaters!«
Die Jägerin tat einen hellen Ruf: »Kind, wie kommst du zu diesem Ring?«
Die Kleine lachte vergnügt.
Das Weib hub das Kind auf die Erde, warf einen Blick auf das Gezweige und stieß einen gellenden Schrei aus. Sie sah durch das Reisig eine Menschenhand.
Wie wütend stürzte sie hin auf die Schichtung und raffte die grünen Zweige auseinander – mit Hast und heißer Angst –, dann sank sie zurück und schlug sich die flachen Hände in das Antlitz. Vor ihr lag im Blute erstarrt ihr gemordeter Gatte. –
Zur selben Stunde gingen zwei Holzhauer über die Wiese und brachten eine Tragbahre mit. Zuerst knieten sie vor dem Toten und beteten still, dann hoben sie ihn auf die Bahre, legten das Gewehr an seine Seite und trugen ihn davon.
Der Korb blieb stehen bei dem Enziangebüsche, das Weib folgte der Bahre; es sagte kein Wort, es vergoß keine Träne, es trug das spielende Mädchen auf dem Arm. Das blasse, starre Angesicht der Gattin, das rotwangige, helläugige Lockenköpfchen des Kindes hinter der Bahre her – das mag ich nimmermehr vergessen.
Ich bin auch hinterdrein gegangen. Die Weiden standen in ihrem wässerigen Schimmer; die Schatten der Tannen lagen hingestreckt über die ganze Wiese. Das rote Kreuz ragte regungslos im Dunkel des Waldrandes.
Die Bahre schwankte dem entfernten Jägerhause zu. Ich ging gegen unser Gehöfte. Als ich zu demselben hinabkam, führten handfeste Burschen einen wüst aussehenden Mann herbei. Es war der schwarz’ Toni. Da wir ihn am Morgen im Lärchenanwuchs gesehen, so hatte mein Vater auf seine Spur gewiesen. Der Richter kam, und unter der großen Esche, die vor unserem Hause stand, wurde das Verhör gehalten. Der Toni war geständig, den Jäger Wolfgang aus Rache erschossen zu haben. Hierauf wurde der Bursche in Ketten gegen die Stadt geführt, aus der er einst als Wickelkind gekommen war.