»Wie diesen Tieren geht’s uns allen!« klagte ein Weib, »keine Menschenmöglichkeit, daß der Wald gerettet wird – alles brennt, alles brennt! O Christi Heiland – es ist das Jüngste Gericht!«
Tagelang währte der Greuel.
Von unserem hochgelegenen Hause aus sahen wir aus den Wäldern des Filnbaum und der Fresenleiten die Flammen rot und langsam aufsteigen. Die ganze Gegend lag in einem Schleier, und scharfer Brandgeruch stach in die Nasen. Unser Berg schien eingewölbt von Rauch, daß es oft schier dunkel war. Und da stand ein großes, trübrotes Rad über uns, das der Rauch umwirbelte, verdeckte und doch nicht ganz vertilgen konnte. Es war die Sonne. Wir sahen aber auch, wie das Feuer allmählich gegen uns heranrückte, es stieg über die Höhen her, und es stieg in die Täler nieder, und es stieg endlich an unserem Berghange heran. Wir bedurften des Abends keines Kienspans.
Das Vieh hatten wir längst auf die Almweide gejagt und die Einrichtungsstücke des Hauses mitten auf das freie Feld hinausgeschleppt. Halb wahnsinnige Menschen kamen herbei. Der Vernünftigsten einer war der uralte Martin, dem die Hütte verbrannt war und der nun mitternächtig beim Scheine des Waldbrandes Preißelbeeren pflückte.
Mein Vater kletterte auf den Dächern unseres Gehöftes herum, und mit einer langen Stange, an deren Ende er einen nassen Lappen gebunden hatte, schlug er die Funken tot, die herangeflogen kamen und sich auf das Dach gesetzt hatten.
In der fünften Nacht, als wir in einer Ecke unserer ausgeräumten Stube kauernd schliefen, wurden wir plötzlich von einem lauten Tosen geweckt, und der alte Markus, der auf dem Dache Nachtwache hatte, rief: »Das ist schon recht! Das ist schon recht!«
Ein Wettersturm hatte sich erhoben und wütete in dem brennenden Walde, daß es eine schreckbare Pracht war. Als ob ein wüstes Gewässer dahinbrauste zwischen den Stämmen, so toste und dröhnte es. Aber das Feuer wurde in die entgegengesetzte Richtung von unserem Hause geworfen, und das war es, was dem alten Markus so recht war. Die Flammen waren wie auf wilder Flucht; sie übersprangen ganze Waldpartien, zündeten an neuen, entlegenen Stellen.
Als sich der Orkan gelegt hatte, kam ein Regenguß. Der Regen währte tagelang, und die Wolken stiegen träge auf und nieder. Lange noch mischte sich mit ihnen der Rauch der kohlenden Strünke – endlich aber war alles Feuer ausgelöscht. Über alles legte sich der feuchte, frostige Nebel – es war die herbstliche Zeit.
So ist die Begebenheit hier erzählt.
Doch endet der Wald mit seinem Untergange nicht, in ihm ist die Urkraft.