Inferno, 2. Gesang.

Abb. 39. Teil des Figurenfrieses vom Vorhang des alten Dresdener Hoftheaters. 1843.
Nach der Farbenskizze. (Zu [Seite 49].)

Abb. 40. Teil des Figurenfrieses vom Vorhang des alten Dresdener Hoftheaters. 1843.
Nach der Farbenskizze. (Zu [Seite 49].)

Es ist eine Eigenart Richters, daß er die menschlichen Figuren in seinen Bildern weit über den Rahmen der „Staffage“ hinaus behandelt und darstellt, eine Eigenart, die sich gleich bei den ersten Bildern ([Abb. 10] und [13]) auffällig macht. In den „Biographischen Aufsätzen“ von Otto Jahn finden wir in den ausgezeichnet geschriebenen „Mitteilungen über Ludwig Richter“ diese Eigentümlichkeit unseres Meisters sehr interessant beleuchtet und entnehmen denselben folgendes: „Man würde irren, wollte man das Charakteristische der Richterschen Landschaft darin sehen, daß die Staffage mit mehr Vorliebe und Sorgfalt oder mit mehr Geschick behandelt sei, als es gewöhnlich der Fall ist. Man kann bei Richter gar nicht mehr von Staffage sprechen, insofern diese eine an sich unwesentliche Zugabe, ein willkommener, aber auch wohl entbehrlicher Schmuck der Landschaft ist. Er benutzt nicht menschliche Figuren und Gruppen, um Lücken der landschaftlichen Komposition auszufüllen, um Abwechselung hineinzubringen, oder den Vorgrund zu beleben, nein — der Mensch in jenen einfachen natürlichen Verhältnissen, welche in Wahrheit der eigentlichste und höchste Vorwurf aller Kunst sind, ist der selbständige Gegenstand seiner Darstellungen.“ Auch Schinkel äußert sich bei Betrachtung dieses Bildes in den dreißiger Jahren in ähnlicher Weise: „Es wäre ein Irrtum, wollte man meinen, das Landschaftliche sei von Richter zurückgedrängt und etwa zum Rahmen oder auch zum Hintergrunde für die Darstellung menschlicher Empfindung oder Tätigkeit herabgesetzt. Im Gegenteil, die Landschaft erscheint in ihrer vollen Selbständigkeit, als ein Ganzes in Auffassung und Ausführung und nicht bloß äußerlich als Grundlage und Umgebung des menschlichen Tuns und Treibens“ usw. Er sagt zum Schluß: „Für einen solchen wahren Künstler existieren schulmäßige Gegensätze nicht, wie die von Genre und Landschaft; aus sich heraus schafft er Werke, aus denen die Theorie lernen mag, daß die echte Kunst frei und unerschöpflich ist, wie die Natur, deren Grundgesetze auch die ihrigen sind.“

In den folgenden Ölbildern, die des Meisters Staffelei verlassen, hält er unentwegt fest an dieser Steigerung des Figürlichen: er hebt dasselbe sogar in einigen Bildern noch mehr hervor, wie in der „Überfahrt am Schreckenstein“ ([Abb. 26]) und in dem „Brautzug im Frühling“ ([Abb. 58]). Ein einziges Bild kenne ich von ihm, in welchem er sich im Figürlichen nur auf eine untergeordnete Staffage beschränkt; es ist die „Apenninenaussicht“, ein Blick auf das Volskergebirge vom Stadttor von Palestrina.

Aus dem Jahre 1827 ist das Porträt Richters, von seinem Freund Karl Peschel gezeichnet ([Abb. 15]).

Abb. 41. Helene. Gezeichnet 1842. (Zu [Seite 51].)