Abb. 91. Titelbild zu „Der arme Mann im Toggenburg“. 1852.
(Zu [Seite 63].)
Abb. 92. Dornröschen bei der Alten im Turmstübchen.
Aus Bechsteins Märchenbuch. 1853.
Verlag von Georg Wigand in Leipzig. (Zu [Seite 64].)
Es folgt das „Lied von der Glocke“. In sechzehn Bildern führt Richter uns an der Hand der Dichtung durch das Leben. In einem Briefe an seinen Freund Julius Thäter vom 1. November 1857 schreibt er: „Ich wollte dem Dinge erst den Titel geben: ‚ebensbilder nach Motiven aus Schillers Glocke‘, weil ich ganz frei gegangen und auf meine Weise die Gegenstände aufgefaßt, aber mich nicht in die Schillersche Anschauung versetzt habe. — Zuletzt bin ich aber doch bei dem einfachen Titel geblieben, und die Hauptsache bleibt mir, ob die Bilder an und für sich lebendig genug ausgefallen sind.“ — Man will in diesem Werke eine gewisse Befangenheit herausfinden, und es deckt sich diese Empfindung in etwas mit dieser seiner eigenen Äußerung. Die Richtersche volkstümliche Schlichtheit war ja von dem hohen Schwung und Pathos Schillers in der Tat weit entfernt. Doch auch diese Folge ist reich an künstlerischen Schönheiten. Wie eine schöne leise Musik anmutet das Blatt „O zarte Sehnsucht, süßes Hoffen, der ersten Liebe gold’ne Zeit“ ([Abb. 127]). Lieblich und innig ist das Liebespaar, das über der Mühle droben am Waldesrand auf der Moosbank im Abendsonnenschein sitzt. Tauben girren in den Ästen der alten Eiche, ein Vogel huscht über den Wald, das ist sicher der Kuckuck; still und feierlich geht der Vollmond auf. Ein zweites Bild ([Abb. 128]) „Zum Begräbnis“: „Ach, die Gattin ist’s, die teure, ach, es ist die treue Mutter“, — das hatte der Meister wenige Jahre vorher selbst erlebt und durchgelitten; der Abschied des Mannes, — er trägt des Meisters eigene Züge, — und die schluchzenden schmerzbewegten Kinder sind ergreifend gezeichnet.
Abb. 93. Porträt Richters. Von Bendemann gezeichnet. 1852 (?). (Zu [Seite 63].)
1858 erscheint „Voer de Goern“, Kinderreime, alt und neu von Klaus Groth mit zweiundfünfzig Zeichnungen, davon 38 von Richter. Der Meister reiste, ehe er die Zeichnungen begann, nach Holstein, um an Ort und Stelle sich mit Land und Leuten bekannt zu machen. Diese Illustrationen sind von großer Frische, gesund und markig. Wir geben davon die Handzeichnung: „Anna Susanna, geh du na Schol!“ ([Abb. 129]). Die dralle, aber anmutige Anna Susanna und die hand- und wetterfesten, gesundheitstrotzenden Jungen sind köstliche Kindergestalten. [Abb. 130] im Holzschnitt: „Kleine Maus, große Maus“, ist eine liebliche Kindergruppe im Rosenbusch. In demselben Jahre bringt uns der Meister noch ein Bilderbuch für die Kleinen: „Der Kinderengel“, ein Spruchbüchlein für fromme Kinder, mit „Luthers Brief an sein Söhnlein Hänsigen“ und zwanzig Holzschnittzeichnungen, von denen einige von C. Peschel gezeichnet sind. Aus diesem Kinderbüchel bringen wir nur die reizende Gruppe „Gott zum Gruß“ ([Abb. 184]), das prächtige gesunde Bübchen, die Mütze in der rechten, den Blumenstrauß in der linken Hand, hinter ihm das Schutzengelchen, das ihm leise zuflüstert, als wollte es beim Aufsagen des gelernten Versleins „wenn’s stockt“ nachhelfen. —
Abb. 94. Zu „Der Müller und die Nixe“. Bechsteins Märchenbuch. 1853.
Verlag von Georg Wigand in Leipzig. (Zu [Seite 64].)