Abb. 106. Ich habe mein Feinsliebchen so lange nicht gesehn.
Aus „Beschauliches und Erbauliches“. 1851. (Zu [Seite 67].)

Um das Jahr 1864 erhielt Preller infolge der Ausstellung seiner Odysseekartons einen Ruf an die Akademie in Dresden; diese Berufung kränkte und verwundete Richter; er sprach wiederholt die Absicht aus, seine Akademiestellung aufzugeben. Preller folgte schließlich diesem Rufe nicht, der Großherzog hielt ihn in Weimar fest. Die spätere Richtung Prellers schmeckte Richter zu sehr nach dem Kompositionsrezept nach N. Poussin, seine späteren Zeichnungen nach der Natur waren ihm zu sehr „geschrieben“. Die derbe Art Prellers im persönlichen Verkehr hatte zudem für unseren zartbesaiteten Meister oft etwas Unbequemes.

Abb. 107. Entwurf zu Otto I. an der Nordsee. Aus Bülau, Deutsche Geschichte. 1855–1858.
Verlag von Otto Spamer in Leipzig. (Zu [Seite 68].)

1864 folgt der „Neue Strauß fürs Haus“, — sechzehn Blätter. Von dieser köstlichen Folge bringen wir zuerst das „Kleinhandel“ benannte Bild ([Abb. 152]). Diese Komposition zeichnete Richter im Auftrage des bekannten Goethe-Freundes S. Hirzel in Leipzig im Jahre 1856. Hirzel hatte wiederholt den Wunsch geäußert, von Richter eine Zeichnung zu besitzen zu der Stelle aus Goethes „Geschwistern“: „Mir ist’s eine wunderliche Empfindung, nachts durch die Stadt zu gehen. Wie von der Arbeit des Tages alles teils zur Ruhe ist, teils danach eilt und man nur noch die Emsigkeit des kleineren Gewerbes in Bewegung sieht. Ich hatte meine Freude an einer alten Käsefrau, die mit der Brille auf der Nase beim Stümpfchen Licht ein Stuck nach dem anderen ab- und zuschnitt, bis die Käuferin ihr Gewicht hatte.“ Der Meister ging mit großem Interesse an den Auftrag und gestaltete so das prächtige, malerische Bild, das unsere Nachbildung nach einer Wiederholung der getönten Zeichnung aus demselben Jahre bringt. Der Holzschnitt von Gerhard Jördens ist eine Musterleistung. Ein weiteres Blatt dieser Folge ist das „Johannisfest“ ([Abb. 153]). Anmutig und frisch sind die Kinder gezeichnet, die um die Blumenpyramide einen Reigen tanzen, ein Brauch, der in Mitteldeutschland seit den sechziger Jahren wohl ganz verschwunden ist; es liegt ein Zug holden Behagens über diesem Bilde. Auch dieser Holzschnitt, von Kaspar Oertel, einem Schüler August Gabers, wie Gerhard Jördens, ist eine vorzügliche Leistung. In der [Abb. 154] schildert unser Meister das erste Ofenfeuer. Wie ist’s hier gemütlich im Stübchen! Draußen wettert es, Bello, der Hofhund, sitzt auch im Trockenen. Es folgt [Abb. 155]: „Gruselige Geschichten“ erzählt die Großmutter, alles Spiel ruht, hell leuchten die Augen der Kinder, erschreckt fährt ein Kind beim Platzen des Bratapfels im Ofen zusammen. Lieblich sind in dem folgenden Blatt die Kinder gezeichnet, die im Walde Beeren gesammelt haben: „Beiß mal ab, Hänschen“ ([Abb. 156]). In dieser Folge begegnen wir auch einem Blatt „Mondnacht“ und finden hier dieselbe landschaftliche Szenerie, wie auf dem früher erwähnten untermalten Bild und ähnlich wie in [Abb. 189], aber mit veränderter Figurengruppe. Weiter folgt „Weihnachtstraum“, die schöne Komposition der Radierung „Die Christnacht“ variiert, aber vereinfacht, wie es das kleinere Format des Holzschnittwerkes verlangte. Die hier angefügte Gruppe der armen, frierend in einer Ecke sitzenden Kinder sind ein glücklich gewählter Gegensatz zu dem Weihnachtszauber, der über das ganze Bild ausgebreitet ist.

Abb. 108. Zum 14. November 1853. Kinderporträt.
(Zu [Seite 68].)

1866 radiert der Meister sein letztes Blatt, für E. Cichorius. Die Platte trägt die Unterschrift: „Meinem Freunde E. Cichorius“. Dargestellt ist eine Mutter, die vom Felde heimkehrt und ihr Knäblein zärtlich herzt, zur Seite ein größeres Mädchen und der Spitz, der die Sache betrachtet. Die liebenswürdige Gruppe von Mutter und Kind finden wir bereits ähnlich in den Löschkeschen Büchern von 1852 und öfters noch wiederholt und vielfach variiert, so auch in [Abb. 146] in „Altes und Neues“ usw.