Abb. 117. Der Mond ist aufgegangen.
Aus „Christenfreude“. 1855. (Zu [Seite 71].)

1873 folgte „Altes und Neues“, fünfzehn Zeichnungen in Lichtdruck. Eine Sammlung von gleicher Schönheit und poetischer Gestaltung wie die vorangegangenen. Wir geben zuerst eine Aquarelle von 1865 in farbiger Reproduktion, „Kartoffelfeuer“, ein Herbstidyll ([Abb. 175]), die bis auf kleine Abweichungen im Mittelgrund dem in dieser Folge aufgenommenen Blatt gleich ist; weiter aus der „Christenfreude“ wiederholt die liebenswürdige, innige Gruppe zu „Ein getreues Herz zu wissen“ ([Abb. 116]). „Mailust“, ein Frühlingsidyll von graziöser Form, im Loschwitzer Charakter, mit einer reizenden Staffage ([Abb. 177]). „Zum Geburtstage“ ([Abb. 97]), „Sub rosa“ ([Abb. 178]): ein junges Paar schaut träumerisch aus dem rosenumrankten Erker des Hauses — es ist offenbar ein Jägerhaus — in eine romantische Landschaft hinaus. Unten auf grüner Matte schreiten Hirsche und Rehe, weiter sieht man einen See mit steil abfallenden Ufern, leichte Wolken ziehen an den Bergen hin. Im Vordergrund Blumentöpfe und „Waldmann“. Als sechstes Blatt fügen wir an „Wenn ich dich hätte“ ([Abb. 179]) vom Jahre 1870. Die Anregung zu dieser Kindergruppe gab dem Meister die Stelle aus Goethes „Werther“ vom 26. Mai: „Das erste Mal, als ich durch einen Zufall an einem schönen Nachmittag unter die Linden kam, fand ich das Plätzchen so einsam. Es war alles im Felde; nur ein Knabe von ungefähr vier Jahren saß an der Erde und hielt ein anderes, etwa halbjähriges, vor ihm zwischen seinen Füßen sitzendes Kind mit beiden Armen wider seine Brust, so daß er ihm zu einer Art von Sessel diente, und ungeachtet der Munterkeit, womit er aus seinen schwarzen Augen herumschaute, ganz ruhig saß. Mich vergnügte der Anblick; ich setzte mich auf einen Pflug, der gegenüberstand, und zeichnete die brüderliche Stellung mit vielem Ergötzen.“ Zum Schluß bringen wir noch „Heimkehr der Landleute nach Civitella“, eine freie Wiederholung des 1827 gemalten Bildes, das wir früher erwähnten ([Abb. 180]).

Das folgende Jahr brachte „Naturstudien, zehn Vorlegeblätter für Landschaftszeichner“, in Lichtdruck, im Verlage von Meyer & Richter, und seine letzte Folge von Zeichnungen „Bilder und Vignetten“. Aus letzterer sind die vier Jahreszeiten und ländliche Szenen, die Richter nach 1862 im Auftrage des damaligen Erbprinzen von Meiningen für dessen Landhaus in Bad Liebenstein in Thüringen zeichnete. Er verzichtete zum großen Kummer seiner Schüler darauf, diese Arbeiten selbst an die Wand zu malen, die Kartons in der wirklichen Größe zu zeichnen und lieferte nur die Kompositionen in kleinen Zeichnungen. Über die Ausführung selbst überließ er dem Erbprinzen freie Verfügung. Diese Zeichnungen wurden von den Gebrüdern Heinrich und August Spieß in München vergrößert und an den Außenwänden zwischen den Fenstern al fresco gemalt. Wir geben davon nur den „Sommer“ ([Abb. 181]) und weiter von den anderen Bildern dieser Folge die reizende Vignette „Alles mit Gott, so hat’s keine Not“ ([Abb. 182]) in Holzschnitten und zwei Nachbildungen nach fein empfundenen Zeichnungen: ([Abb. 183]) „Ein Mädchen, das ein im Arm haltendes Knäbchen küßt“ und ([Abb. 184]) „Zwei kleine sich küssende Kinderchen“. Während Richter seither nur teilweise noch selbst auf den Holzstock aufzeichnete, mußte er hier, seines vorgeschrittenen Augenleidens wegen, die Aufzeichnung ganz von fremder Hand herstellen lassen; dadurch haben diese Holzschnitte in der Wiedergabe der Zeichnung leider sehr viel von ihrer ursprünglichen Frische verloren.

Gleichzeitig bringt derselbe Verlag vierundzwanzig vierfach vergrößerte frühere Holzschnitte als Wandbilder, die, vom deutschen Volke freundlichst aufgenommen, in den Kinderstuben und in manchem engen Stübchen, vielleicht als einziger Schmuck an der Wand, ihren Platz fanden.

Bei Velhagen & Klasing erschien in demselben Jahre „Robert Reinicks Märchen-, Lieder- und Geschichtenbuch“ in zweiter Auflage, wozu Richter noch eine Illustration für den Holzschnitt zu „Der schmelzende Koch“ zeichnete: Kinder belustigen sich mit einem Schneemann. Der Holzschnitt ist mit der Jahreszahl 1873 bezeichnet. Dies ist des Meisters letzte Illustration.

Abb. 118. Jesu, komm doch selbst zu mir.
Aus „Christenfreude“. 1855. (Zu [Seite 71].)

1876 erschienen „Biblische Bilder“ mit Versen von Julius Sturm bei F. Riehm in Basel. Elf dieser Holzschnitte stammen aus den Jahren 1850 bis 1855 und sind für die kleinen Schriften Löschkes: „An der Krippe zu Bethlehem“, „Kreuz und Grab des Erlösers“ u. a. gezeichnet worden, fanden aber dort keine Aufnahme. Wir nennen nur: „Die Hirten und Kinder an der Krippe“ und „Die Flucht nach Ägypten“, beide lehnen sich an Rembrandtsche Kompositionen an. „Lasset die Kindlein zu mir kommen!“ — wie oft hat er diesen Gegenstand behandelt! Immer weiß er ihm eine neue Seite abzugewinnen. „Der gute Hirt“ in diesem Buche ist von E. Peschel gezeichnet. Das reizvollste Blatt in dieser Folge ist „Herr, bleibe bei uns“; durchaus deutsch in der Auffassung ist hier besonders die Landschaft und von entzückender Schönheit. Derselbe Verlag brachte gleichzeitig „Kinderleben“ in Bild und Wort, mit Versen von Jul. Sturm. Es sind die Holzschnitte aus den Löschkeschen kleinen Büchern von 1850 bis 1853: „Was bringt die Botenfrau“, „Kraut und Rüben“ und die „Familienlieder“, Werke, die wir schon früher erwähnten.