Abb. 126. Märchen vom Marienkind. (Zu [Seite 72].)
Abb. 127. O zarte Sehnsucht, süßes Hoffen, der ersten Liebe gold’ne Zeit.
Aus Schillers Glocke. 1857. Verlag von Alphons Dürr in Leipzig. (Zu [Seite 73].)
In dem oberhalb Dresden reizend gelegenen Loschwitz brachte Richter mit den Seinen seit 1852 jeden Sommer bis zum Jahre 1883 zu. Hier starb, wie schon vorher erwähnt, 1854 seine geliebte Frau. Mitten in heiterster Stimmung, umgeben von den Ihrigen und von Freundinnen, sank sie plötzlich im Garten nieder und hauchte nach wenig Stunden in der Nacht vom 3. zum 4. August ihre Seele aus. Seinem Freunde Thäter schreibt der Meister (Nachträge zur Biographie von H. Richter): „Am 3. August waren wir nachmittags mit Oehmes und einigen jungen Leuten fröhlich beisammen, Gaber und Heinrich waren zufällig auch da. Meine Frau war besonders heiter und recht innerlich fröhlich; da sank sie plötzlich mit gebrochenen Augen vor mir zusammen in das Gras, und das Bewußtsein verlor sich. Sie sprach nichts, winkte, drückte mir die Hand, und wir trugen sie bestürzt in das Stübchen der Wirtin. Der Arzt kam schnell herbei. Er fand einen Schlaganfall. Sie kam nicht wieder zum Bewußtsein, kurz nach Mitternacht hörte das treue Herz auf zu schlagen. — Binnen drei Stunden gesund und tot! Ich war wie betäubt, doch ruhig. Er, der Herr, weiß, warum er es geschehen ließ; sein Wille ist ja immer gut und heilig. — Aber mir ist es noch, als wäre mir das halbe Herz herausgerissen. — Ach, wie lieb hatte ich sie, und sie verdiente es — doch still! —“ Sie ruht auf dem Loschwitzer Friedhof unten an den blumigen Ufern der Elbe. Im Oktober 1854 schrieb er in sein Tagebuch: „Wir sitzen immer noch auf unserem Berge (Loschwitz), werden aber wohl in nächster Woche das Stadtquartier beziehen. So schön es hier noch ist, so sehne ich mich doch nun, in Ordnung zu kommen. Ich kehre nun ohne die liebe Mutter heim, das liegt mir immer in Gedanken. Wo weilt sie jetzt? Diese Frage drängt sich mir oft herbei. Aber da schweigt alles Wissen und wird schweigen, solange irdisches Leben dauert, und doch ist’s auch da nicht ganz Nacht geblieben; die Aussprüche unseres Herrn stehen da wie helle, liebliche Sterne; sie sind fest und herrlich glänzend auf diesem nächtlichen Grunde, aber sie sprechen mehr zum Herzen, als daß ich sie begreifen und fassen könnte. Des Heilandes eigene Auferstehung steht wie ein Morgenrot am Himmel, und ‚wo ich bin, da soll mein Diener auch sein‘, und ‚in meines Vaters Hause sind viele Wohnungen, und ich gehe hin, euch eine Stätte zu bereiten‘, das sind Morgensterne. Aber mehr als dieses Ahnen gibt mir die Lehre meiner Kirche auf Grund der Schrift, die Lehre von der Kirche selbst, welche ist die Gemeinde der Erlösten im Himmel und auf Erden, miteinander verbunden durch die Liebe, Gebet und gegenseitige Fürbitte.“ — „Und daß wir einen solchen Himmel voll Sterne der Verheißung haben, Lichter einer höheren Welt, die so fröhlich herunterleuchten, dafür sollten wir recht dankbar sein und in unserem Falle unseren Glauben daran üben und stärken.“ — Seine Tochter Helene führte ihm nun das Haus mit freundlichem Wesen und großer Umsicht, bis sie 1856 mit dem Kaufmann und Fabrikbesitzer Theodor Kretzschmar in Dresden den Bund fürs Leben schloß und das väterliche Heim verließ. Jetzt übernahm des Meisters jüngste Tochter, Elisabeth, die Führung des Hausstandes; sie hat bis an des Vaters Lebensende, achtundzwanzig Jahre, seiner gewartet und ihn gepflegt mit aller und seltener Hingebung und Aufopferung, wie es ein weibliches Wesen nur vermag. Sie hat ihm die Augen geschlossen, als der Herr den Wandermüden zu sich rief, lebte dann lange in Bad Boll, das sie mit ihrem Vater bei dessen Lebzeiten so gern aufsuchte, und lebt jetzt ganz zurückgezogen in der Nähe von Dresden. — Es wuchs eine Schar blühender Enkel (vier Mädchen und zwei Knaben) in des Schwiegersohnes Kretzschmar Hause heran; hier weilte der Meister so gern, und diesem glücklichen Familienleben hat er so manches Motiv entnommen; wir erinnern nur an das eine Blatt aus „Fürs Haus“: „Großvaters Leiden und Freuden in der Kinderstube.“ Ein Enkelchen kämmt den geduldigen Großvater, ein anderes bringt ihm Puppen und Bilderbücher, und das Bübele zeigt ihm seine neue Trompete. Die Zeichnung, die vor dem erwähnten Holzschnitt entstand, auf der die Enkel porträtähnlich sind, auch der Großvater des Meisters Züge trägt, stiftete er für die Kinderstube des Kretzschmarschen Hauses. Die Enkel sind längst verheiratet und die vierte Generation bereits erblüht, der liebe Vater Kretzschmar hat das Zeitliche 1900, kurz nach vollendetem 83. Lebensjahre, gesegnet.
Abb. 128. Zum Begräbnis. Ach, die Gattin ist’s, die teure. Aus Schillers Glocke. 1857.
(Zu [Seite 73].)
Abb. 129. Anna Susanne, geh du na Schol. Aus Klaus Groth, Voer de Goern. 1858.
Verlag von Georg Wigand in Leipzig. (Zu [Seite 73].)