Abb. 146. Heimkehr vom Felde. 1858. (Zu [Seite 80].)
Abb. 147. In der Kirche. Aus dem „Sonntag“. 1861.
Verlag von Alphons Dürr in Leipzig. (Zu [Seite 82].)
Liebe Erinnerungen sind mir zwei Ausflüge, welche die Mitglieder des Stammtisches unternahmen. Der erste, um die Mitte der siebziger Jahre, führte über Aussig und Camayk bis Leitmeritz, in die Gegenden, in welchem ihm, italienkrank, vor vierzig Jahren zum erstenmal wieder die Augen für die Schönheiten der deutschen, vaterländischen Natur geöffnet wurden. Wie war unser Meister trotz seiner siebzig und mehr Jahre frisch und heiter, wie freute er sich, wie lachte ihm das Herz, als er an der von Eichen umschlossenen „Eiskapelle“ oberhalb Camayk stand, wo er vor vielen Jahren mit seinen Schülern geweilt, von wo der Blick in glänzende, zitternde Fernen des schönen gesegneten Böhmerlandes sich verliert und man den Lauf des silbernen Elbstromes weit, weit verfolgen kann, wo draußen Burgen und Ruinen, Städte und Dörfer, Felder und Wälder und schönlinige Bergzüge im Sonnenglanz verschwimmen! Er sah das schöne Land zum letztenmal, sein Fuß hat es nicht wieder betreten. Der zweite Ausflug führte nach einer romantisch im Wald liegenden früheren Besitzung v. Quandts in Dittersbach bei Pirna, in der Peschel in Lünetten einer Gartenhalle Bilder zum Erlkönig, König von Thule usw. al fresco ausgeführt hatte. Diese Besitzung war auch deshalb noch von besonderem Interesse, weil v. Quandt hier des öfteren die bedeutendsten Künstler Dresdens, unter diesen auch den hochbedeutenden Architekten Gottfried Semper, um sich versammelte. Semper teilte Richard Wagners Schicksal, auch er war in die Dresdener Maiereignisse von 1849 verwickelt und mußte flüchten. Weitere schöne Erinnerungen sind mir die Weihnachtsfeste, welche die gesamte vielgliederige Familie im Hause des Schwiegersohnes Theodor Kretzschmar feierte und denen ich seit 1873, seitdem ein verwandtschaftliches Verhältnis mich noch enger mit dem Meister verband, mit beiwohnen zu dürfen das Glück hatte. Unter dem lichterglänzenden Tannenbaum scharten sich all die Kinder, Schwiegerkinder und die fröhlichen Enkel und die weiteren Verwandten, zu denen auch Peschel zählte, um den würdigen, auch in seiner äußeren Erscheinung wirklich Ehrfurcht gebietenden Senior der Familie. Mit wieviel Liebe und Güte und Freundlichkeit verkehrte er mit all den Seinen! Und doch hatte er seinen Kindern und Enkeln gegenüber etwas Zurückhaltendes, etwas Unnahbares, Reserviertes. In den Zeiten, in denen er aufgewachsen, war das Verhältnis zwischen Eltern und Kindern sehr viel anders als heute gewesen; schon an sich charakteristisch für diese Zeit war, daß in vielen Familien bis in die sechziger Jahre Vater und Mutter mit „Sie“ angeredet wurden. In des Meisters Hause herrschte freilich das „Du“, wenigstens solange ich mich entsinnen kann. — Am 9. September 1875 schreibt er aus Wildbad Gastein, das er seines Nervenleidens wegen wieder sucht: „— — Wir haben hier viel liebe und zum Teil sehr interessante Menschen kennen lernen und ich bin diesmal fast gewaltsam aus meiner Stille in einen großen Verkehr gezogen worden. Es fiel mir das oft recht schwer, weil das Bad meine alten Übel, große Abspannung und Schlaflosigkeit, viel mehr steigerte als verminderte. Ich hoffe bei alledem einen guten Erfolg. — — — Hoffentlich sehen wir uns in nächster Woche; denn trotz der großen Schönheit hiesiger Natur, die ich so leicht nicht vergessen werde, stellt sich doch die Sehnsucht nach dem lieben Daheim mit den vertrauten Lieben recht heftig ein.“ —
Abb. 148. Ich bin krank gewesen, und ihr habt mich besuchet. Aus dem „Sonntag“. 1861. (Zu [Seite 82].)
Abb. 149. Heimkehr vom Lande. Aus dem „Sonntag“. 1861. (Zu [Seite 83].)