Heißt Amtsgerichtsrat .......“
In seiner Biographie klagt er, daß die Anforderungen, die dieser Tag an ihn gestellt, über seine Kräfte gingen, und schreibt dann: „Ich fühlte mich noch an den folgenden Tagen durch diese vielen Ehren- und Liebeszeichen freudig gehoben, aber ebensosehr innerlich gebeugt: denn wodurch hatte ich dieses alles verdient? Meine Arbeiten waren doch meine eigene höchste Lust und Freude gewesen, und das Gute und Lobenswerte daran lag doch gerade in dem, was man nicht bloß lernen oder sich selber geben kann, sondern es war das, was uns geschenkt wird: die Gottesgabe, das Talent.“ Aus diesen Worten erkennt man wieder den durch und durch demütigen Menschen und Künstler.
Abb. 179. Wenn ich dich hätte. 1870. Aus „Altes und Neues“. 1873. (Zu [Seite 94].)
Im Jahre 1856 war der bekannte feinsinnige Kunstfreund Eduard Cichorius aus Leipzig zum erstenmal nach Dresden gekommen und hatte hier durch August Gaber unseren Meister kennen gelernt. Es entwickelte sich in der Folge ein warmes Freundschaftsverhältnis zwischen beiden Männern. Cichorius fing an, Zeichnungen von Richter zu sammeln, und mit sicherem Blick und feinem Verständnis für die Eigenart des Meisters brachte er die größte und hervorragendste Sammlung zusammen, der er auch eine stattliche Reihe von Handzeichnungen J. Schnorrs, viele von den Zeichnungen zu dessen großem Bibelwerk und die früher erwähnten Landschaften aus Italien einverleibte. Er erwarb auch eine Reihe von Ölbildern Richters, von denen er einige dem Städtischen Museum in Leipzig überwies. Der Meister kam, so oft Cichorius wieder in Dresden weilte, viel zu ihm ins Hotel, wo sich dann beim Betrachten der Zeichnungen die interessantesten Gespräche anknüpften. Cichorius schreibt in der „Liebesspende“ für die Kinderheilanstalt in Dresden (von Zahn & Jaensch, Dresden) im Dezember 1884 darüber: „Im vertraulichen Gespräch, wo Richter sich gehen ließ, sich ganz frei fühlte, war er der anziehendste, geistvollste Gesellschafter, der sich nur denken läßt. Ein solches sich stundenlang ausdehnendes Zwiegespräch war von hohem Genuß; ein lebhafter Austausch, ein gegenseitiges Geben und Empfangen, bei wesentlicher Übereinstimmung im ganzen. Kleine Abweichungen in den Ansichten bilden ja erst die rechte Würze der Unterhaltung.“ Und weiter schreibt er an derselben Stelle: „Wohl trennte uns vielfach Neigung und Meinung, vorzugsweise in politischen, aber auch in Fragen nach den höchsten Dingen, und es traten hier oft schärfere Gegensätze hervor, aber er bewährte sich auch hier als ein echter Freund; er gab seine Meinung nicht auf, vertrat sie aber immer auf sanfte und milde Weise. So blieb unser Verhältnis ungetrübt, und dabei war das Verdienst ganz und gar auf seiner Seite.“ In diesen vortrefflichen Aufsatz werden auch Briefe Richters an Cichorius aus den Jahren 1876–1883 zum Abdruck gebracht, aus denen man ersieht, wie freundschaftlich er ihm zugetan war. Das Freundschaftsverhältnis war bis an Richters Lebensende das denkbar beste, Cichorius bewahrt ihm das treueste Gedenken.
Abb. 180. Heimkehr der Landleute nach Civitella.
Aus „Altes und Neues“. 1873. (Zu [Seite 94].)
An freudigen und ernsten Ereignissen in der Familie nahm Richter herzlichsten Anteil. 1880 und 1881 griff der Tod mit rauher Hand in ein stilles, glückliches Familienleben ein: drei blühende Urenkel fielen tückischen Krankheiten zum Opfer; er war auch hier in Tagen schwerster Prüfung und Heimsuchung, die so plötzlich hereinbrachen, durch sein unerschütterliches „Wie Gott will!“ eine rechte Stütze und wußte die zerschlagenen Elternherzen aufzurichten. In solchen Zeiten schwerer Sorgen schreibt er aus Boll am 18. Mai 1880: „Zunächst möchte ich gern wissen, wie es Euch ergeht? Hoffentlich zieht die dunkle Wolke nun vorüber, Ihr armen Schwergeprüften! — Grüße zunächst Deine Frau Gretel und die beiden Kinder; die Geschwister haben ihr Pfingsten in der ‚Oberen Gemeinde‘ gefeiert, gewiß recht selig und in Jubel. Die Tränen sind nur hier zu Hause. Gott sei mit Euch.“
Schon in Rom hatte Richter eifrig den Gottesdienst in der protestantischen Kapelle im preußischen Gesandtschaftspalast aufgesucht und zu Richard Rothe, dem damaligen Gesandtschaftsprediger, sich in nahe Verbindung gebracht; sein Intimus Maydell war ein eifriger Protestant. Nach Deutschland zurückgekehrt, besuchte er fast regelmäßig die protestantische Kirche und suchte sich an den Predigten zu erbauen, soviel er konnte. Die in den dreißiger und vierziger Jahren herrschende Strömung in unserer protestantischen Kirche befriedigte ihn aber wenig. In Thäters Biographie finden wir vom Jahre 1844 aus Dresden eine Aufzeichnung, die uns einigermaßen Einblick in die damaligen kirchlichen Verhältnisse verschafft; sie lautet: „Mit Recht klagt man über unsere arme Kirche. Hier steht’s schlimm damit. Wir möchten gern Gottes Wort hören, wenn wir wüßten, wo es gepredigt würde. Doch wir haben die Bibel und finden darin Trost und Erquickung. Aber in den Schulen fehlt es ganz. Meine Freunde, Oehme und Richter, berieten sich erst neulich mit mir, wohin wir unsere Kinder könnten in die Schule schicken. Wir finden keine, wo der Religionsunterricht von der Art wäre, wie wir ihn für unsere Kinder wünschen müssen.“