Noch immer konnte Nikolai kein Wort sprechen. Manchmal glaubte er, den Verstand zu verlieren. Mara dachte, daß er schwankend geworden wäre und sprach ihm mit weißem und verzerrtem Gesichte von etwas anderem. Daß sie alles vorhergesehen hätte. Daß es nutzlos wäre, jemand zu rufen. Daß man ihn in jedem Falle der Mitschuld am Verbrechen bezichtigen würde, ihn richten, verurteilen . . .

Die letzten Worte machten Nikolai fast lächeln. So lächerlich erschien ihm der Gedanke, daß der nächste Tag in irgend einer Verbindung mit dieser wahnsinnigen Nacht sein könnte.

Seltsam kam es Nikolai vor, daß er nicht bemerkt hatte, wann Mara die Kleider auszog. Und in dem Zimmer des Todes stand sie vor ihm so sehr nackt, wie sie es liebte, sich ihm hinzugeben. Durch den erstickenden Blutgeruch drang der bekannte und so einzige Duft ihres Körpers bis zu ihm.

Und Mara rief ihn, zärtlich und liebkosend.

— Liebster, komm her, komm. Ich will, daß du mich liebkosen sollst. Ich will dich. Will, daß wir im selben Augenblicke dasselbe fühlen sollen. Und dann wollen wir beide sterben und auch im selben Augenblick. Und der Tod wird uns sein, wie eine Zärtlichkeit.

Doch erst, als Mara ihm schon ganz nah war und sich an ihn schmiegte und ihm in die Augen schaute, konnte Nikolai erwidern:

— Ich weiß, daß du ein Schatten bist, ein Traumgesicht, nur eine Erscheinung Maras. Doch der Erscheinung kann und will ich alles sagen, was ich ihr nicht gesagt. Ich glaube, daß aus all den Gefühlen, die mich peinigten und betörten, nur jenes heilig war, das ich ihr entgegenbrachte, deinem Urbilde! Weil unsere Liebe der Ruf des Körpers zum Körper war, und ganz ein sinnliches Verlangen, das noch nicht von Freundschaft oder Mütterlichkeit befleckt war. Unsere Liebe war das auf allen Welten gleiche elementare Geheimnis, das den Menschen ähnlich macht den Dämonen und Engeln.

Nikolai konnte selbst nicht begreifen, warum er von seiner Liebe als von etwas Vergangenem sprach.

Dann ließen sich die zwei langsam auf einen Teppich sinken und preßten sich in Umarmungen aneinander. Die Wirklichkeit begann zu schmelzen und zu verschwinden und zur Unendlichkeit wurde jener kleine Raum, in dem sich die beiden Körper befanden. Der Augenblick jenes Rausches trat ein, wo der Mensch sich als einen Vogel fühlt, der über dem Abgrund hängt, und wo er immer grade vor sich die anderen Augen sieht, die beschattet sind von der Qual entrückter Sinnlichkeit, und wo er kreist und kreist und plötzlich loslassend wie ein Pfeil hinunterschießt in die Gischt der Abgründe.

Als er erwachte, sah Nikolai die beiden toten Körper, die noch immer so unbeweglich auf dem Divan ausgestreckt lagen. Lydias Gesicht war milde und ihre klagenden geöffneten Lippen fragten: schon? — aber das stolze und ruhige Gesicht Ketts antwortete: mag sein! Als Nikolai sich den Körpern nähern wollte, hielt Mara ihn zurück: