— Nicht nötig, nicht nötig.
Es war Wein da. Sie tranken ihn. Sie sogen den Duft aus Blut, Wein und Leidenschaft ein. Sie bemühten sich, nur einander in die Augen zu schauen. Ihre Gesichter brannten, und in ihren Augensternen spiegelten sich die brennenden Kerzen wie Funken.
Die Stunden vergingen. Und es waren Ekstasen der Leidenschaft und Ekstasen der Ermattung. Und es war die
Seligkeit der Bekenntnisse und die Seligkeit des Schweigens. Ihre Körper waren von Umarmungen geschwächt und konnten dennoch nicht den Liebkosungen entsagen. Ihre Seelen, die sich einstmals dem Leben wie blühende Blumen geöffnet hatten, errieten hinter jedem gesagten Worte die ganze Unendlichkeit seiner Bedeutung. Dann aber verschmolz sie das schon nicht mehr zu befriedigende Verlangen wieder und wieder in eines und sie taumelten auf dem harten Fußboden, der kaum vom Teppich bedeckt war, inmitten der Flecken von Blut.
Draußen begann es, trotz des wütenden Sturmes allmählich heller zu werden. Bleiche Lichtflächen legten sich auf die Wände, die Möbel, die Teppiche. Langsam veränderte sich die Welt.
6.
Drei Tage lang beschäftigten sich die örtlichen Zeitungen mit den ungeheuerlichen Vorkommnissen auf dem Gehöfte des Nikolai S. Die vier Leichname konnten niemand von den Geheimnissen der furchtbaren Nacht erzählen. Die Dienerschaft wurde anfangs arretiert, doch bald infolge mangelnder Beweise wieder freigelassen. Das Geschehnis blieb ein unaufgeklärter Fall. Die Nachricht von dem geheimnisvollen Morde oder Selbstmorde der drei Schwestern und des Mannes einer derselben drang nur in Form von kurzen Bemerkungen in die größeren Blätter und erschien dort in kleiner Schrift auf der vierten Seite in der „Provinzialchronik“. Übrigens konnten sich die Leser dieses intimen Familiendramas im Lärme der großen politischen Ereignisse jenes Jahres dafür auch nicht interessieren.
Im unterirdischen Kerker
Nach einer italienischen Handschrift des 16. Jahrhunderts