Als hätte ein böser Zauberer ihr mit seinem Magierstabe gedroht, wurde es Julien plötzlich traurig und qualvoll zumute. Sie wollte so tun, als hätte sie den Marco nicht bemerkt, doch offenbar hatte er sie bereits gesehen und erkannt. Da schickte Julia eine ihrer Dienerinnen zu dem Marco, und hieß ihn, am Abend desselben Tages bei ihr zu erscheinen. Sie bemerkte noch, wie Marco lächelte und zum Zeichen des Einverständnisses mit dem Kopfe nickte.

Den ganzen Tag über kannte Julia keine Ruhe. Am Abend erschien Marco, jung, frisch, kräftig, kühn. Julia empfing ihn in ihrem Zimmer. Mit ihr waren ihre Freundin Monna Lucrezia und zwei vertraute Dienerinnen. Julia trug ein goldverbrämtes Samtgewand, mit durchbrochenen Ärmeln, ein Perlengeschmeide zierte ihren Hals, und auf die Stirne

fiel ihr ein Diamantschmuck herab. Sie saß in einem hohen Sessel bester florentinischer Arbeit.

Ehrfürchtig verbeugte sich Marco vor ihr, wie es ein einfacher Fischer vor einer edlen Signora gewiß tun mußte.

Einige Zeit hindurch wußte Julia nicht, was zu sprechen; dann fragte sie ihn:

— Sage mir, mein Freund, womit beschäftigst du dich jetzt?

Marco sah sie mit seinen schwarzen Augen an, lächelte ebenso wie am Morgen und entgegnete:

— Signora, ich bin ein Fischer, handle mit Fischen und führe zuweilen Waren aus Otranto nach Neapel.

— Und du bist mit deiner Lage zufrieden? fragte Julia.

— Mehr habe ich nicht nötig, als leben und die goldene Sonne und blauen Wellen sehen können, antwortete Marco, und seine Stimme tönte so zart, wie in den Stunden ihrer langen Gespräche im Kerker.