Diese wahrhafte und, soweit ich beurteilen kann, vorurteilslose Geschichte eines der charakteristischen Begebnisse, welche im Beginne jener riesigen geschichtlichen Bewegung, die ihre Anhänger heute die „Welt-Revolution“ nennen, vor sich ging, braucht man, schätze ich, nicht dem Vergessen anheimzugeben. Die Niederschriften Alexanders illustrieren natürlich nur einen winzigen Teil des, was in der Hauptstadt an jenem denkwürdigen Tage des Aufstandes geschah, sind dafür aber für einige Fakten die einzigen Quellen, aus der künftige Historiker ihr Wissen schöpfen werden. Das Bewußtsein dieses Umstandes, schätze ich, veranlaßte den Autor, seine Worte mit besonderer Aufmerksamkeit zu wägen, und, ungeachtet eines gewissen blütenreichen Stiles, im Rahmen strengster historischer Wahrhaftigkeit zu bleiben.

Zum Schluß kann ich nicht umhin, jenem Lande, das mir ein Asyl bot, meine Dankbarkeit auszudrücken und meine Freude darüber, daß es auf der Erde noch einen Ort gäbe, wo sich die Freiheit des gedruckten Wortes bewahrte und wo man ruhig Meinungen aussprechen könne, die nicht unbedingt zu einer Lobpreisung der Zeitweiligen Revolutionären Regierung neigen.

1.

Du weißt, daß ich, wie viele, dem Ausbruche der Revolution völlig unvorbereitet gegenüberstand. Allerdings gingen

dunkle Gerüchte, es wäre zum Neujahrstage ein allgemeiner Aufstand angekündigt, aber die letzten unruhvollen Jahre lehrten uns, solchen Warnungen nicht besonders zu trauen. Die nächtlichen Ereignisse kamen für mich völlig unerwartet. Ich hatte beschlossen, das neue Jahr nicht zu feiern, und arbeitete ruhig in meinem Zimmer. Plötzlich versagte die elektrische Leitung. Bevor ich noch eine Kerze anzünden konnte, hörte ich hinterm Fenster das hölzerne Knattern von Schüssen. Man hatte sich schon an diese Töne gewöhnt, und ich zweifelte nicht.

Ich zog mich an und ging auf die Straße hinaus.

Im völligen Dunkel der Winternacht konnte ich eine große Volksmenge, die auf der Straße auf- und abwogte, mehr erraten als sehen. Die Luft war ein Getöse von Schritten und Stimmen. Das Schießen verstummte nicht und mir kam es vor, als bohrten sich die Kugeln in die Wand dicht über meinem Kopfe. Nach jeder Salve freute ich mich, daß der Tod noch vorübergegangen.

Doch die Neugier des Zuschauers überwog die Furcht. Ich zögerte an der Haustür in einem Haufen ebenso unschlüssiger Beobachter, wie ich es war. Wir tauschten kurze Fragen aus. Plötzlich, wie ein durchs Wehr gebrochener Strom, stürzte auf uns eine Menge von Menschen zu, die schreiend in panischer Angst liefen. Wir mußten entweder mit ihnen laufen oder zertreten werden.

Auf dem Ruhmesplatz sah ich mich wieder. Das Rathaus brannte und des Feuerschadens Schein beleuchtete die Umgebung. Ich erinnerte mich an einen Vers Vergils: dant clara incendia lucem. Du kennst den Umfang dieses Platzes. Und sieh, er war so voll, daß es schwer wurde, sich zu bewegen. Ich glaube, dort waren mehrere hunderttausend Menschen. Die vom flüchtigen roten Feuer beschienenen Gesichter waren seltsam und unkenntlich.

Ich fragte viele, was geschehen sei. Es war amüsant, eine Reihe sich widersprechender und unglaublicher Antworten zu hören. Einer sagte, daß die Arbeiter alle wohlhabenden Leute totschlügen. Ein anderer, daß die Regierung