alle Nichtvermögenden ausrotte, um der revolutionären Bewegung ein Ende zu machen. Ein dritter, daß alle Häuser unterminiert wären, und eine Explosion der anderen folge. Ein vierter wollte mich davon überzeugen, daß dieses gar keine Revolution sei, sondern ein furchtbares Erdbeben.
Und um diese Zeit, als auf dem Platz vor dem Feuerschein fast ein Viertel der Stadteinwohner plaudernd, verwundert, erregt sich drängte, geschah eben jenes furchtbare Ereignis, von dem du durch die Zeitungen hörtest. Der dumpfe Donner von Geschützsalven tönte, ein feuriger Strich zerschnitt das Dunkel und ein Explosivkörper fiel mitten in die dichteste Ansammlung der Leute. Neues Kreischen übertönte den Lärm und betäubte, fast wie ein körperlicher Schlag. Doch im selben Augenblicke explodierte eine zweite Granate. Dann wieder, wieder und wieder . . .
Das ratlose Ministerium hatte dem Kommandanten der Zentralfestung befohlen, auf alle Volksansammlungen zu schießen.
Wieder begann ein sinnloses Fliehen. Inmitten der springenden Granatensplitter, im drohenden Donner der Geschütze, in welchen die durchdringenden Schreie der Verwundeten drangen, taumelten die Leute zwischen Steinwänden hin, traten auf Gefallene, schlugen die Imwegstehenden mit Fäusten, kletterten auf Fensterbretter, auf Laternen, fielen aufs neue hinab und verbissen sich vor Wut mit den Zähnen in den Füßen der Nebenanstehenden. Dies war Schrecken und Chaos, war Hölle, in der man verrückt werden konnte. Auf welche Weise ich auf den Nordischen Boulevard hinausgestoßen wurde, weiß ich nicht.
Hier begegnete mir eine Abteilung der Revolutionären.
Es waren nicht viele, etwa dreihundert Menschen, nicht mehr, doch es waren organisierte Truppen vor der bestürzten Menge. Um einander zu erkennen, trugen sie ihr Abzeichen: eine rote Binde auf dem Arm. Ihre gemessene Bewegung hielt den Menschenstrom auf. Das sinnlose Fliehen hielt ein, die Menge beruhigte sich.
Beim Lichte der Pechfackeln, das alles umgebende ungewöhnlich
und unzeitgemäß erscheinen ließ, erhob sich irgend ein Mensch auf den Sockel der Statue des Nordens und machte ein Zeichen, daß er sprechen wolle. Ich stand ziemlich weit, eng an einem Baum gedrückt, und konnte daher nur den allgemeinen Sinn der Rede hören. Die einzelnen Worte erstarben, ohne bis zu mir zu fliegen.
Der Redner rief zur Ruhe. Erklärte, daß der friedliche Lauf des Lebens nicht gestört würde und daß keinem der Bürger eine Gefahr drohe. Daß im ganzen Lande um diese Stunde dasselbe vor sich ginge wie in der Hauptstadt: überall ginge die Regierung zeitweilig in die Hände der Milizstäbe über. Daß nur eine geringe Zahl von Leuten gerichtet würde, — alle die der gestürzten „uns allen gleich verächtlichen“ Regierung anhingen. Daß über diese Leute das Urteil des Geheimen Gerichtes schon ausgesprochen sei.
Zum Schluß sagte der Redner noch einiges von dem Tage, den man Jahrtausende hindurch erwartet hätte, von der endlich erkämpften Freiheit des Volkes.