Auf den Knien liegende, stimmten wir die Hymne an.

Und Theodosius verkündete uns:

— Es ist vollbracht.

Er erhob den Kelch und segnete uns.

Es strömten die betörten Töne der Orgel und keiner hatte mehr die Kraft, seine Leidenschaft zu verbergen. Wir umschlangen einander, und im plötzlichen Düster des aufsteigenden Weihrauches suchten sich die Lippen, die Hände, die Leiber. Dies waren Näherungen, Verbindungen, Vereinigungen, waren Schreie, Stöhnen, Schmerz und Jubel. War die Trunkenheit tausendgesichtiger Leidenschaft, wenn ringsum alle Bilder, alle Formen, alle Möglichkeiten, alle Biegungen weiblicher, männlicher und kindlicher Körper und alle Verzerrtheit und Verzücktheit der verwandelten Gesichter sind.

O noch nie, noch nie, fühlte ich solche Flamme, solche Unersättlichkeit des Verlangens, das vom Leibe zum Leibe eilen hieß in zweifache, dreifache, vielfache Umarmungen. Und nutzlos waren uns die Flagellanten, die an diesem Tage gleich allen von der Ekstase der Leidenschaft ergriffen waren.

Plötzlich, ich weiß nicht auf wessen Geheiß, schoben sich die dichten Hüllen der Vorhänge von den Fenstern und das ganze Innere des Domes ward den Blicken der Außenstehenden enthüllt: das Bildnis des Symbols, die rätselhaften Fresken an den Wänden und die Menschen, die in seltsamen Umschlingungen auf den weichen Teppichen lagen. Ein wütender Schrei drang von der Straße her bis zu uns.

Und schon bohrte sich der erste Schuß mit Getöse in das Spiegelglas der Fenster. Und dem ersten folgten weitere. Die pfeifenden Kugeln durchschnitten die Wände. Die Miliztruppen konnten das Schauspiel nicht ertragen, das sich hier

ihren Blicken enthüllte, und hielten daher die angegebene Zeit nicht ein.

Doch es war, als höre keiner die Schüsse. Die von unsichtbarer Hand gespielte Orgel setzte ihr betörendes Lied fort. Des Weihrauches Aroma wogte in der erregten Luft. Und auch im klaren Tageslichte, wie früher beim Scheine der heiligen Kerzen, wurde der Kultus der Leidenschaft nicht geringer.