Hero, die in den Pforten des Altares stand, schwankte als erste und fiel, während ihre Lippen der Schmerz verzerrte. Hier und dort sanken Arme; einige Körper fielen wie in endgültiger Ermattung zusammen.

Es begann ein furchtbares Blutvergießen. Die Kugeln fielen zwischen uns wie Regen, als würde eine gigantische Hand sie schockweise auf uns streuen. Doch von den Getreuen wollte keiner fliehen oder freiwillig die Umarmung lösen.

Alle, alle, auch die Verzagten, auch die Kleingläubigen wurden Helden, wurden Märtyrer, wurden Heilige. Das Todesgrauen floh unsere Seelen, als würde es einem magischen Worte gehorchen. Mit unserem Blute besiegelten wir die Wahrheit unseres Glaubens.

Einige, die getroffen waren, stürzten. Andere, in der Nähe der Gestürzten, drückten ihre Leiber fester aneinander. Und noch die Sterbenden suchten im letzten wütenden Kusse die begonnene Liebkosung zu vollenden. Ersterbende Hände streckten sich noch mit einer sinnlichen Geste. Im Haufen verkrümmter Körper war es schon unmöglich zu erkennen, wer noch liebkoste und wer schon starb. Inmitten der Schreie konnte man unmöglich das Stöhnen der Leidenschaft von dem des Todes unterscheiden.

Irgendwelche Lippen preßten sich auf die meinen und ich fühlte den Schmerz verzückten Bisses, der vielleicht nur der letzte Krampf eines Sterbenden war. In meinen Händen hielt ich einen Körper, der entweder vor gesättigter Lust, oder in letzter Agonie erkaltete. Dann warf auch mich ein

dumpfer Schlag auf den Kopf in den Haufen der Körper, zu den Brüdern, zu den Schwestern.

Allein das letzte, was ich sah, war das Bildnis unseres Symboles. Allein das letzte, was ich hörte, war der Ausruf des Theodosius, den tausendfältiges Echo nicht unter den Gewölben des Domes, aber in den unendlichen, von Finsternis beschatteten Gängen meiner Seele wiederholte:

— In deine Hände befehle ich meinen Geist!

Jetzt aber, wo ich erwacht bin . . .

Memoiren eines Psychopathen