»Und du«, rief Max erstaunt, »du hast so harte Mauern durchbrechen können? Da gratuliere ich!«
»Ich danke dir. Wenn du wüßtest, wie froh ich jetzt bin! Verstehst du das? Da drinnen eingesperrt sein ist kein Vergnügen; doch man weiß, eines Tages wird man herauskommen, die Flügel ausspannen und in freier Luft leben.«
»Ah!« atmete sie tief auf, »nun ist die große Stunde, die ersehnte Belohnung für die lange Gefangenschaft gekommen!«
»Du Glückliche!« seufzte Max traurig. »Wenn ich doch auch Flügel hätte!«
Sein Wunsch brachte ihn auf einen Gedanken, der wie ein Hoffnungsstrahl in sein düsteres Dasein leuchtete. Dringlich wandte er sich zur jungen Gallwespe und sprach:
»Höre, liebe Freundin, ich hätte eine große Bitte … wirst du so freundlich sein … Du bist zwar kaum geboren … nun wohl: mit einer guten Handlung kannst du dein Leben beginnen. Ich verspreche dir, daß ich es dir nie vergessen werde! Willst du?«
»Du plauderst zuviel; bitte, laß mich hören, um was es sich handelt?«
»Richtig! Es handelt sich darum, daß ich ein menschliches Wohnhaus mit einem Weinstock an der Wand finden möchte. Auf einem Rundflug könntest du es vielleicht erspähen.«
»Aber Lieber, wie soll ich denn ein Menschenhaus erkennen? Ich bin doch eben erst auf die Welt gekommen!«