»Entschuldige«, erwiderte das kleine Geschöpfchen, »ich bin keine Fliege, ich bin eine Gallwespe; die Gelehrten nennen mich Cynips gemmae.«
»Eine Gallwespe?«
»Ganz richtig, ich gehöre zur Ordnung der Immen oder Hautflügler.«
»Dann bist du eine weitläufige Verwandte von mir. Als mein Bäschen wirst du mir wohl erklären, wie du es fertig brachtest, in diese Kugel einzudringen?«
»Eindringen? Ich bin nicht eingedrungen, du willst wohl sagen: herauszuschlüpfen.«
Max betrachtete sie verwundert. »Das ist mir neu! Kann einer aus einer Kugel herausschlüpfen, ohne erst hineingekommen zu sein?«
»So höre! Bei uns Gallwespen ist folgender Brauch: Unsere Mutter – ich kann dir das sagen, weil ich es selber durch meine natürliche Veranlagung weiß – legt das Ei auf ein Eichenblatt, indem sie es mit dem Legestachel ansticht. Aus diesem Legestachel tritt zugleich das Ei heraus. Der Stich verursacht auf dem Blatt eine Wunde, und die Wunde läßt das Blatt anschwellen, so daß sich eine kleine Kugel bildet. Diese wächst durch den Saft der Pflanze. Inzwischen entwickelt sich aus dem darinliegenden Ei die Larve. Diese findet in der Kugel ihre Nahrung und ihr Häuschen. Hier bleiben wir ein Jährchen ungestört und essen, verwandeln uns zur Puppe und werden danach ein vollkommenes Insekt. Jetzt müssen wir von innen heraus die Kugel durchbohren, langsam, langsam, bis sich eine Straße bildet, auf der wir endlich herauskommen, wie ich es gemacht habe. – Aber du kannst mir's glauben, da heißt es kräftig drauflosnagen!«
»Ist es wohl so hart, dein Kugelhäuschen?«
»Geh mal herein und überzeuge dich selbst davon!«
Er schlüpfte zum Türchen hinein, das die Gallwespe gebohrt hatte, und nun konnte er sich einen genauen Begriff von der Arbeit machen, die seine neue Freundin fertig gebracht hatte. Im Innern der holzartigen Galle war eine Art Kammer, die aus einem noch viel festeren Stoffe als die äußere Kugel bestand. Die Wand dieser Kammer war so hart wie ein Kirschkern.