Der arme Schiffbrüchige nahm seine letzten, sinkenden Kräfte und seinen ganzen Mut zusammen, denn er sagte sich:

»Habe ich ein Bein erwischt, so gehört es wohl einer Person, die auf dem Wasser spazieren kann. Eine solche kann ich aber gerade brauchen, also Mut!«

Er kletterte an dem langen, schwarzen Bein hoch, und mit dem Erfolg wuchsen Kraft und Mut. Wie durch ein Wunder gelangte er über Wasser und schwang sich gewandt auf den Rücken des fremden Beinbesitzers, der abwehrend ausrief:

»Wer steigt mir auf den Rücken?!«

»Ich bin es«, sagte Max, indem er sich rittlings zurechtsetzte.

»Eine Ameise bin ich, mit zwei vorzüglich scharfen Zangen bewaffnet, kraft deren ich dich höflichst ersuche, mich schleunigst ans Ufer zu befördern.«

Der Ton, in dem Max sprach, ließ seinen Träger vermuten, daß die Ameise zu allem eher als zum Ertrinken entschlossen war und keinen Widerspruch duldete. Deshalb nahm das merkwürdige Geschöpf den Weg auf dem Wasser gutwillig wieder unter seine Beine. Inzwischen betrachtete Max sein Wasserpferd genauer. Es war ein dunkles Insekt mit langem, dünnem Körper und einem Kopf, der allein ein Drittel seiner Gesamtlänge ausmachte und der mit außerordentlich langen Fühlern versehen war. Sechs gleichlange Beine standen weit vom Körper ab und waren ebenfalls ungewöhnlich lang.

»Gesegnet seien deine Beine!« sagte Max bedeutend freundlicher als vorhin, »sei du nur froh, daß du nicht auch auf ein Unterseeboot zur Überfahrt angewiesen bist. Doch bitte, wer bist du?«

»Ich bin ein Wasserläufer«, erwiderte das Insekt mit Freimut. »Wir Wasserläufer haben zwar Flügel, doch macht es uns keinen Spaß, sie oft zu benützen. Höchstens, wenn wir einmal über Land zu einem andern Gewässer wollen.«