Es war ihm wie ein Gelübde, das er zu erfüllen hatte. Er krabbelte an der geschlossenen Haustüre hinauf, lief kreuz und quer an der Vorderwand des Hauses herum, um das Nest zu finden, das er wiedererobern wollte. Ganz oben, unter dem Dache, sah er ein solches, das sicher von einer geschickten und starken Maurerbiene gebaut worden war. Es bestand aus Tonerde und sah sich von außen an wie ein schwach gebogenes Rohr, das aus der Mauer herauswächst. Eben schlüpfte eilig ein geflügeltes Insekt hinein, das eine arme Raupe mit den Vorderbeinen an seine Räuberbrust drückte und mithineinschleppte. So rasch er konnte, rannte Max zum Eingang der Röhre und rief hinein:
»Ist jemand zu Hause?«
Sofort ließ sich im Innern ein zorniges Kreischen und Schelten hören. Gleich darauf erschien die rechtmäßige Besitzerin an der Schwelle des wohlgebauten Häuschens.
Wäre unser Held nicht rasch beiseitegetreten, das Insekt, blind vor Zorn, hätte ihn über den Haufen gerannt. Das Nest, an das Max geraten war, gehörte einer Mauer-Lehmwespe. Diese ist ein kräftiges Insekt, dabei aber mißtrauisch und zornwütig im höchsten Grade. Nur wenig entfernt von dieser Stelle erblickte Max ein anderes Gebäude, das von außen genau aussah wie eine Handvoll Schlamm, der an die Mauer gepappt war. Als er es aber näher betrachtete und sich dabei der Beschreibung erinnerte, die die Biene ihm von ihrem Haus gemacht hatte, erkannte er, daß er jetzt gefunden hatte, was er suchte. Er entdeckte den Eingang, näherte sich ihm und hörte jemand drinnen summen. Mit Geduld bewaffnet und seine scharfen Zangen in Bereitschaft, stellte er sich hier auf und wartete. Die Sonne war schon untergegangen, und Max stand seinem Worte getreu noch da, um den Dieb, sobald er herauskäme, zu fassen. Endlich kam das Gesumme näher, die Biene zeigte sich an der Türe des geraubten Hauses. Mit sicherem Sprung saß er ihr auch schon auf dem Rücken, ergriff sie mit den Kieferzangen beim Kopf, umschlang mit vier Beinen ihre Flügel und den Leib, und wie er sie so kräftig unter sich gebracht hatte, daß sie sich nicht mehr rühren konnte, sagte er spöttisch:
»Sie entschuldigen wohl gütigst, ich komme nur, um den Mietzins für das Haus einzutreiben.«
Die Biene drohte mit ihrem Stachel. Aber Max biß ihn schnell mit seinen Zangen ab und rief dazu:
»Tut mir leid, aber es muß sein. Sie haben keine Erlaubnis, Waffen zu tragen!«
Auf diese Weise hatte er sie unschädlich gemacht; jetzt ließ er sie los und sagte ihr verächtlich: