»Diese Holzwespe kann noch mehr wie meine Freundin, die Gallwespe«, rief Max, »dieser Leistung gegenüber bedeuten die Holzkugeln nicht viel. Lieber Freund«, scherzte er, »du könntest wirklich mit dem Kopf die dicksten Mauern einrennen, ohne dir den Schädel zu zertrümmern.«

»Spaß beiseite«, erwiderte fast außer Atem die abgearbeitete Larve, »für mich handelt es sich jetzt um Leben oder Tod. Hier sterben, im Dunkeln, in dem Augenblick, der mich frei in den Lüften finden sollte, das will mir nicht in den Sinn!«

»Willst du deine Verwandlung hier abwarten?«

»Ja, ich habe dazu Ruhe nötig; denn in kurzer Zeit bin ich Puppe, um aus ihr schön und vollkommen zu erstehen. Aber der Durchgang ist offen, willst du nicht ins Haus eintreten?« Sie wies mit artiger Bewegung an das Löchlein, das ihr das Tor zum Leben bedeutete.

Max dankte mit innigen Worten:

»Wenn ich dir irgendwie einmal nützlich sein kann«, sagte er, »so soll mir das eine Freude sein!«

»Danke, gönne mir jetzt Ruhe!«

Max kroch durch die Öffnung im Beschlag und lief an der inneren Türseite hinab, bis er sich auf der Diele des Hauses befand. Sobald er den Fußboden erreicht hatte, fing er vor Befriedigung zu tanzen an und sang dazu:

»Ich bin daheim, ganz nahe bei lieb Mütterlein!«

Wie trieb ihn die Sehnsucht, sie wiederzusehen! Er rannte in der Finsternis nach allen Enden herum, um die Türe zum Zimmer zu suchen. Ein Hindernis im Wege hemmte seinen Lauf. Es lag da ein Apfelbutzen, der durch irgendeine Unachtsamkeit am Boden liegengeblieben war. Mit seinen Beinen hätte Max leicht darüber wegkommen können, aber wer mit dem Vorbeilaufen nicht einverstanden war, das war der Magen. Der brummte so heftig, als wollte er das Baßgeigenkonzert wiederholen, das seit dem schönen Frühstück bei den guten Hummeln verstummt war. So machte sich denn das hungrige Ameislein ohne viel Federlesens ans Essen, wobei alte, schöne Erinnerungen erwachten. Mit innigem Wohlbehagen sprach er kauend vor sich hin: