»Äpfel waren immer meine Leibspeise, aber erst jetzt weiß ich, daß sogar der Butzen noch ganz vorzüglich schmeckt.«

Geraume Weile speiste er und ließ sich's wohl sein; hatte er doch seit frühem Morgen nichts mehr gegessen, und nachdem er den Versuchungen der Muskatellertraube so männlich widerstanden hatte, war ihm der Genuß, besonders nach den Gemütsaufregungen im finstern Wespengang, schon recht zu gönnen. Zu all dem brauchte er jetzt keine Angst mehr auszustehen, die Richtung zu verlieren, deshalb entschloß er sich, sich mit Seelenruhe die ganze Nacht dem süßen Apfelbutzen zu widmen. Bei Tage wollte er dann die Zimmer besuchen.

Endlich brach ein schwacher Lichtschein durch den herzförmigen Ausschnitt des geschlossenen Fensterladens, und beim Klappern eines nahenden Trittes ließ Max geschwind die Reste seiner Mahlzeit im Stiche. Franziska, das Zimmermädchen, kam, um wie an jedem Morgen die Fenster zu öffnen. Da hörte Max ein eigenartiges Geräusch und gleich dazu einen Schreckensschrei. Was war denn geschehen? Das konnte keiner erraten. Durch ein Löchlein im Türbeschlag war ein großes Insekt herausgeflogen. Sein Körper glänzte wie aus blauem Stahl, es hatte rötliche Schenkel, gelbe Flügel und ungebrochene Fühler, die nach vorne gerichtet waren und sich mit der Spitze ein wenig in die Höhe bogen.

Franziska hatte bei dieser überraschenden Erscheinung einen Schrei ausgestoßen. Jetzt ergriff sie den Wischlappen, den sie an die Schürze gesteckt hatte, und machte mit diesem eine unbarmherzige Jagd auf den seltenen Eindringling, der in Todesangst einen Ausweg suchte. Max erkannte sofort seine neu ausgeschlüpfte Holzwespe und hörte sie verzweifelt rufen:

»O Ameise, hilf mir doch!«

Sofort wußte Max, was zu tun war. Er kletterte wie der Blitz über Franziskas Schuh empor bis zum Strumpf, drang mit dem Kopf zwischen zwei Maschen hindurch und zwickte, so kräftig er nur konnte, Franziska gerade in dem Augenblick in die Haut, als sie mit dem Staubtuch das arme Insekt erschlagen wollte. Sie stieß einen lauten Schrei aus und ließ das Tuch fallen. Indessen flog das geängstigte Tier zum Fenster hinaus und rief:

»Ameise, du hast mir das schöne Leben gerettet! Nie werde ich dich vergessen!«

Max hatte sich rasch auf den Boden fallen lassen und lief eiligst davon. Franziska aber juckte heftig an ihrem Bein und rief:

»Diese verwünschten Flöhe!«