Leider aber machte Max die Rechnung ohne seinen Lateinprofessor. Dieser Spielverderber mußte ihm jetzt sogar noch sein Ameisenleben verpfuschen!

Nicht weit entfernt vom Landhaus wurde Max durch einen Schwung vom Hutrand unsanft im Bogen zur Erde geschleudert. Onkel Walter hatte vor dem Lateinprofessor, der des Weges kam, in größter Hochachtung seinen Hut tief gezogen. Er konnte ja nicht ahnen, daß er dabei seinem lieben Neffen einen solchen Schabernack spielte.

Max erholte sich leichter von seinem Fall als von dem Schrecken über sein Mißgeschick und rief zornbebend aus:

»Dieser greuliche Professor! Wenn ich meine Holzwespe treffe, sage ich ihr, sie möge ihm ein Loch in seinen Kopf bohren.«

Unser Held war ganz außer sich, sonst hätte er so etwas Böses keinesfalls gesagt. Man muß aber gerecht sein, diesmal hatte er wirklich großes Unglück.

Nach harten Mühen, gefährlichen Abenteuern, nach so vielen überstandenen Gefahren war er endlich in seinem Hause angelangt. Nun sah er sich durch einen unglücklichen Zufall vom schwer erreichten Ziel weiter als je entfernt. Er lag mit den Beinen in der Luft auf dem Erdboden eines unbekannten Ortes; allem nach wird es ihm unmöglich sein, sich zurechtzufinden. Da vernahm er eine Stimme in der Nähe:

»Noch nie in meinem Leben habe ich ein Insekt ohne Flügel so kühne Purzelbäume schlagen sehen! Wäre einer von uns aus solcher Höhe abgestürzt, mit den Beinen nach oben, der hätte nicht so leicht wieder krabbeln können!«

Das waren sonderbare Geschöpfe, die mit solchen Bemerkungen das Unglück unseres Freundes besprachen. Max konnte ein lautes Oho! der Verwunderung nicht unterdrücken, als er ihrer ansichtig wurde. Es waren Ameisen, ganz sicher, aber so merkwürdige, wie Max sich solche nicht im Traume vorgestellt hätte. Ganz gelb, mit mächtigem Hinterleib und schauderhaft dickem Bauch.

»Woher kommt ihr, dickbäuchige Schwestern?« rief Max sie an.

»Weither wie du«, sagte eine lachend. »Du kommst aus schwindelnder Höhe, wir aus weiter Ferne.«