Bestürzt, ja entsetzt sah Max um sich. Angeklammert am Rosenzweig sah er vor sich ein schwarzes Ungetüm von düsterem Aussehen. Es hatte einen dicken, behaarten, braunen Rücken und mitten drauf – ein schauriger Anblick – war in gelber Farbe ein Totenkopf gemalt. Als Max das fürchterliche Insekt gewahrte, erschrak er heftig. Das Ungetier aber fuhr mit seiner schrillen Stimme fort:
»Vortrefflich! Donner und Doria! Wenn's dunkel wird, werde ich mir, so wahr ich Atropos heiße, das Leben versüßen.«
Es war wahrhaftig ein Acheronte, einer jener großen Schmetterlinge, welche man Totenkopf nennt wegen der düstern, gelben Zeichnung auf ihrem Rücken, und die, wenn sie gereizt werden, einen pfeifenden, schrillen Ton ausstoßen, der bisweilen so unheimlich wie das Bild wirkt. Die düstere Färbung, die unheimliche Zeichnung, die Größe des Schmetterlings und sein Erscheinen im Dunkeln sind die Ursache, daß dumme, abergläubische Menschen sie für Unglückstiere halten, wie es auch mit Eulen und Käuzchen geschieht. Die Angst solcher einfältigen Leute ist unsinnig, aber andere Geschöpfe können sich mit gutem Recht vor diesem Schmetterling fürchten. Wie die Vöglein gut tun, sich vor der Eule zu verstecken, welche sie nur allzusehr liebt und sie recht wohlschmeckend findet, so müssen die Bienen vor dem Totenkopf auf der Hut sein, da er nach ihrem Honig lüstern ist.
Max hatte die bösen Absichten des Insektes wohl verstanden, und da er für Bienen im allgemeinen und für Süßchen im besondern eine warme Zuneigung verspürte, so sagte er jetzt für sich:
»Der Stock ist in der Nähe, ein günstiger Zufall hat mich eingeweiht in die Einbruchspläne des schwarzen Diebes, wie wäre es, wenn ich eilte, Süßchen zu warnen?«
Er warf einen Blick auf den Baum, dem die Biene zugeflogen war, und richtete seine Schritte gegen Süßchens Wohnung. Er rannte, was er konnte, achtete kein Hindernis und sagte sich: Das Untier ist ein gerissener Dieb; es will erst einbrechen, wenn es finster ist. Wenn ich auch keine Flügel habe wie dieser Gauner, so werde ich trotzdem vor ihm dort anklopfen können. Da – was war das? Er hielt überrascht im Laufe inne. Hatte er nicht rufen hören:
»Hurra! Es lebe der Kaiser!«
Er spähte und konnte niemand entdecken. Schon wollte er weiterwandern, im Glauben, daß er sich getäuscht habe, als er den Ruf ein zweites Mal hörte, und diesmal konnte es gewiß keine Sinnestäuschung sein.
»Max Butziwackel! Hoch!«
Zwischen Schreck und Freude verlor er schier die Besinnung. Zu seiner linken Seite lag ein dichter Graswald, aus dem hervor keuchend zwei Ameisen auf ihn zustürzten, in denen er sofort seine zwei Adjutanten erkannte. Ein gemeinsamer Freudenschrei: