»Das ist klar«, erwiderte rasch überzeugt Max, »ihr habt die Raumfrage in geistvoller Weise gelöst! Aber wie ist es möglich, diese Zellen so regelmäßig und so genau zu machen?«
»Das geht so zu! Sobald wir den Platz für unsere Wohnung bestimmt haben, sei es in einem Mauerloch oder in einem hohlen Baum, wie dieser hier, bauen wir zuerst die inneren Wände der Zellen. Unser Baustoff ist das Wachs, das wir an der Unterseite des Hinterleibes ausschwitzen. Dieses befeuchten, kneten und formen wir mit dem Munde und fügen Stückchen an Stückchen zusammen. Und weil wir viele sind und immerfort einander ablösen, geht die Arbeit rasch voran. Bald entsteht aus einer größeren Anzahl von fertiggebauten inneren Zellenwänden ein fester Streifen Wachs. Man nennt ihn die Mittelwand, weil er die beiderseits anzubauenden Zellen trennt. Von der Mittelwand aus ziehen unsere gewandtesten und tüchtigsten Bauleute die Seitenwände unserer Zellen. Wollt ihr das sehen?«
Süßchen führte die zwei Gäste an eine Stelle, wo gerade neue Wachszellen gebaut wurden. Da wurde gehobelt, gemauert und poliert, bis die sechs Seitenwände die nötige Länge erreicht hatten und ein bequemes und sauberes Kämmerlein einschlossen.
»Wie schnell hier gearbeitet wird!« rief Großzang erstaunt.
»Und dabei gut!« fügte Max mit Kennermiene bei.
Er wunderte sich um so mehr, da er schon wußte, daß bei den Menschen Schnellarbeiter und Schlechtarbeiter meistens das gleiche bedeutet. Natürlich stimmt das nicht immer und nicht in jedem Fall.
»Da ist nichts zu verwundern«, erwiderte Süßchen; »wir sind imstande, in einem Tag und einer Nacht bis zu viertausend Zellen zu bauen.«
»Welch eine Riesenarbeit!« meinte Max. »Aber ich erlaube mir zu bemerken, daß die Zellen nicht gleich groß sind.«
»Das versteht sich!« rief Süßchen; »dies hier sind die Zellen für solche Eier, aus denen wir Arbeitsbienen herauskommen, wir Geschlechtslose«, und dabei deutete sie im Kreise herum, auch auf Max und Großzang.